Säugerarten in Grevenbroich

Trotz einer industriell und landwirtschaftlich stark geprägten Landschaft kommt in Grevenbroich noch eine Vielzahl an Säugerarten vor. Hierzu zählen sowohl jagdbare als auch nicht jagdbare Arten.

 

Wir möchten Ihnen im Folgenden die wesentlichen bislang in Grevenbroich festgestellten Arten vorstellen.

 

Rehwild

 

In der europäischen Kulturlandschaft ist das Reh als kleinster Vertreter der Hirsche heute eine ausgesprochen häufige Art, die in einigen Regionen eine so hohe Bestandsdichte hat, dass Rehbestände die natürliche Waldverjüngung verhindern können.

 

Das Reh besiedelte ursprünglich Waldrandzonen und -lichtungen, es hat sich aber erfolgreich eine Reihe sehr unterschiedlicher Lebensräume erschlossen und kommt mittlerweile bei uns auch in offener, fast deckungsloser Agrarlandschaft wie z.B. auf der Königshovener Höhe vor. Rehe sind Wiederkäuer und bevorzugen eiweißreiches Grünfutter, hier werden neben Pflanzen aus der landwirtschaftlichen Produktion wie Raps und Getreide vor allem Pflanzen der Waldränder sowie Baum- und Straucharten heimischer Wälder abgeweidet.

 

Während des Sommerhalbjahrs lebt das Reh überwiegend einzeln oder in kleinen Gruppen, bestehend aus einer Ricke und ihren Kitzen, im Winter bilden sich so genannte Sprünge aus mehreren Tieren, die vor allem in der offenen Agrarlandschaft mehr als zwanzig Individuen stark sein können.

tl_files/Saeuger/rehe_1.jpgIndividuenstarker "Sprung" Rehwild auf der Königshovener Höhe

Die Paarungszeit, die so genannte Brunft, erstreckt sich bei uns auf die Monate Juli und August. Faszinierend ist bei der Vermehrung der Rehe die Keimruhe, das heisst, dass sich die im August befruchtete Eizelle des weiblichen Rehs erst ab Dezember beginnt, zu entwickeln. Dadurch wird sichergestellt, dass die Geburt der weiß gefleckten Kitze erst im Mai in einer warmen und nahrungsreichen Jahreszeit stattfindet.

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Das Reh unterliegt dem Jagdrecht und wird dem Schalenwild zugeordnet, die Anzahl der jagdlich erlegten Tiere beträgt allein auf dem Gebiet Deutschlands jährlich mehr als eine Million Stück.

 

In Grevenbroich lassen sich Rehe nahezu in allen Naturräumen beobachten, am ehesten in den Übergangsbereichen von Waldgebieten oder Feldgehölzen in die freie Landschaft mit Äckern oder Wiesenflächen wie auch auf den Rekultivierungsflächen der Tagebaue.

 

Schwarzwild

 

Wildschweine sind Allesfresser und sehr anpassungsfähig, auch in unserer Region nehmen sie vor allem durch den verstärkten Anbau von Mais derzeit zu und wandern verstärkt in siedlungsnahe Bereiche ein. Das Wildschwein ist die Stammform des Hausschweines.

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Wildschweine werden in Europa seit Urzeiten als Jagdwild zur Ernährung genutzt. Aus dem jagdlichen Brauchtum existieren für Wildschweine unterschiedlichen Alters und beiderlei Geschlechts Bezeichnungen, die mittlerweile allgemein verbreitet sind. Unter dem Oberbegriff Schwarzwild steht die Bezeichnung „Keiler“ für ein männliches und „Bache“ für ein weibliches Wildschwein sowie „Frischling“ für ein noch gestreiftes Jungtier.

tl_files/Saeuger/Frischlinge_000.jpgFrischlinge am Rand des Tagebaus

Wildschweine sind als clevere Generalisten in der Lage, sich unterschiedlichsten Lebensräumen anzupassen. Dazu trägt bei, dass sie ausgesprochene Allesfresser sind, die sich schnell neue Nahrungsnischen erschließen. Sie haben durch die Fähigkeit, den Boden mit dem Rüssel aufzubrechen, Zugang zu Nahrung, die anderen Großsäugern nicht zur Verfügung steht. Ziel dieses „Aufbrechens“ sind essbare Wurzeln, Würmer, Engerlinge, Schnakenlarven, Mäuse, Schnecken und Pilze, die auch im gefrorenen Boden erreicht werden können.

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Wildschweine können neben Wasserpflanzen wie beispielsweise den Kalmus auch Blätter, Triebe und Früchte zahlreicher Holzgewächse, Kräuter und Gräser als Nahrung verwerten. Als Allesfresser nehmen sie auch Aas und Abfälle an, allerdings machen sie auch gezielt Jagd auf andere Tiere, indem sie Kaninchenbaue aufbrechen, um die Jungkaninchen zu fressen. Gelegentlich fallen ihnen auch Eier und Jungvögel bodenbrütender Vögel zum Opfer. An trockengefallenen Gewässern fressen sie sogar Muscheln. Nahezu alle im Rahmen der heimischen Landwirtschaft angebauten Feldfrüchte werden als Nahrung verwertet, gerne genommen werden hier Kartoffeln, Getreide und Mais bis hin zu Blumenzwiebeln.

 

Eine besondere Rolle im europäischen Verbreitungsgebiet spielen in der Nahrung von Wildschweinen die Früchte von Eichen und Buchen. In Jahren, in denen diese Bäume besonders gut tragen, so genannten Mastjahren, können sie monatelang überwiegend von diesen energiereichen Früchten leben.

 

In Grevenbroich leben Wildschweine vor allem in den größeren Waldgebieten der rekultivierten Tagebaue, sie lassen sich nur selten sehen, allerdings sind sie oft wegen ihres durchdringenden Geruches nach Maggi mit der Nase gut wahrzunehmen.

tl_files/Saeuger/Wildschweinspuren_22.jpgNächtliche Wühlspuren im Wald

Meistens entdeckt man im Hellen lediglich die Spuren ihrer nächtlichen Wanderungen in Form von durchwühlten und umgebrochenen Flächen.

 

Feldhasen

 

besiedeln offene und halboffene Landschaften. Aufgrund der starken Intensivierung der Landwirtschaft ist der Bestand des Feldhasen in vielen Regionen Europas stark rückläufig.

 

Erwachsene Tiere wiegen zwischen 2,5–6,4 kg und werden damit deutlich schwerer, als die immer wieder mit ihnen verwechselten Wildkaninchen. Der Feldhase ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, vor allem am Anfang der Fortpflanzungszeit im Spätwinter und im Frühjahr aber auch tagaktiv. Die Tiere sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger und ruhen am Tag in Sasse genannten, flachen, meist gut gedeckten Mulden auf dem Boden. Sie graben keinen unterirdischen Bau wie die Wildkaninchen.

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Bei Gefahr „drücken“ sie sich bewegungslos an den Boden und ergreifen erst im letzten Moment die Flucht. Feldhasen erreichen dabei über kurze Distanz Geschwindigkeiten bis zu 70 km pro Stunde und springen bis zu 2 m hoch. Die Tiere können auch gut schwimmen. Feldhasen ernähren sich ausschließlich vegetarisch, sie fressen grüne Pflanzenteile, aber auch Knollen, Wurzeln und Getreide sowie vor allem im Winter die Rinde junger Bäume.

 

Männchen kämpfen um ein empfängnisbereites Weibchen, dabei jagen sie sich und schlagen mit den Vorderpfoten wie Boxer aufeinander ein.

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Die Fortpflanzungszeit dauert in Mitteleuropa von Januar bis Oktober, die Weibchen bekommen im Jahr bis zu 4 mal Junge. Die ersten Würfe der Feldhasen können durchaus etwa bereits bei Schneelagen geboren werden, meist sitzen die Jungen dann in igluähnlichen Sassen.

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Dabei können auch bereits trächtige Weibchen durchaus erneut trächtig werden, so dass sich Embryonen unterschiedlichen Alters im Körper der Häsin finden können. Dieses Phänomen nennt man Superfötation. Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage. Die Würfe umfassen 1-5, ausnahmsweise 6 Junge. Die frisch geborenen Junghasen wiegen 100-150 g und sind ausgesprochene „Nestflüchter“, sie werden im Gegensatz zum ähnlich aussehenden Wildkaninchen komplett behaart und sehend geboren. Das bisher bekannte Maximalalter im Freiland beträgt 12,5 Jahre, jedoch überlebt mehr als die Hälfte der Junghasen das erste Lebensjahr nicht.

 

Auch in Grevenbroich sind die Feldhasenbestände mit der immer intensiver betriebenen Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten deutlich kleiner geworden. Die Hauptursachen dafür dürften zum einen im Mangel an artgerechter Nahrung in der Feldflur liegen, wo mit Herbiziden flächendeckend vom Hasen benötigte Wildkräuter eliminiert werden, zum anderen aber auch in der arteigenen Verhaltensweise zur Exposition des Nachwuchses begründet sein. Hasenmütter lassen ihre neugeborenen Jungtiere oberirdisch in einer kleinen, nach oben offenen Mulde im freien Gelände zurück. Hier verharren die Junghasen regungslos und warten auf die nur wenige Minuten täglich zum Säugen erscheinende Häsin. Ein Fluchtverhalten kennen sie nicht, beim Auftauchen von Gefahr drücken sie sich platt auf den Boden und hoffen, in ihrer Reglosigkeit nicht wahrgenommen zu werden. Diese Strategie ist auch über Jahrhunderte zur Arterhaltung aufgegangen, leider ist heute alles anders. Schon die erste Ende Februar, Anfang März auf dem Acker geborene Feldhasengeneration erhält in den ersten Lebenstagen bereits Gülleduschen auf den landwirtschaftlichen Produktionsflächen. Es folgen darauf in unterschiedlichen Zeitabfolgen Spritzmittelfahrten mit Pilz-, Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln, die dem Großteil der Junghasen keine Überlebenschance lassen. Wenigstens stehen den Hasen ja noch Viehweiden für Kühe und Pferde zur Jungenaufzucht zur Verfügung, möchte man meinen… Auch hier wird im zeitigen Frühjahr bereits die Weidenschleppe hinter den Traktor gespannt und die winterlichen Maulwurfshügel eingeebnet, damit sich Kühe und Pferde nicht an den Beinen verletzen, wenn sie in die Löcher treten. Auch diese flächige Behandlung der Weide überleben die Junghasen nicht. Bleiben ja dann noch wenigstens die Feldraine, um dem Hasen einen kleinen Teil der Nachkommen zu belassen, aber wo sind sie? Wo nicht bis an den Wegrand gepflügt wird, stellen sich auch die letzten verbliebenen Ackerrandstreifen als tristes Einheitsgrün dar, weil auch hier oft Unkrautvernichter eingesetzt werden, damit von dort keine Samen in den Acker fliegen! Die dann noch verbliebenen Hasen werden meist Opfer freilaufender Katzen oder Hunde, insofern grenzt das Überleben der Feldhasen auf unseren landwirtschaftlichen Produktionsflächen schon fast an ein Wunder und ist wohl auch der hohen Wurfzahl der Häsinnen im Jahr geschuldet.

 

Der Bestand des Feldhasen gilt nach den Roten Listen sowohl in NRW wie auch deutschlandweit aus den oben genannten Gründen als im Bestand gefährdet. Trotzdem zählt der Feldhase zum jagdbaren Wild, so dass trotz bundes- und landesweiter Bestandsgefährdung im Jagdjahr 2009/10 421.573 Hasen durch Jäger geschossen wurden.

 

Wildkaninchen

 

Wildkaninchen haben ein graubraunes, relativ glattes Fell. Im Nackenbereich ist es braun bis rostrot gefärbt. Im Gegensatz zum Feldhasen hat es mit 6 – 8 cm Länge relativ kurze Ohren, ist deutlich zierlicher (1,3 bis 2,2 kg) und hat deutlich kürzere Hinterbeine. Die Kopf-Rumpf-Länge liegt zwischen 35 und 45 Zentimetern, der Schwanz, der auch Blume genannt wird, ist vier bis sieben Zentimeter lang.

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Wildkaninchen leben gesellig in sozialen Strukturen mit mehr oder weniger großen Kolonien. Sie legen unterirdische Baue am liebsten in sandigem, lockeren Boden an, weshalb auch von Menschen aufgeschüttete Erdwälle häufig als Grundlage für die Baue genutzt werden. Diese können bis zu drei Meter tief und 45 Meter lang sein. Kaninchen sind dämmerungsaktive Tiere, manchmal kann man sie allerdings beim Sonnenbaden am frühen Morgen beobachten. Bei Gefahr können Kaninchen laut pfeifen und klopfen mit den Hinterläufen auf die Erde, sie trommeln. Mit diesem Klopfen signalisieren sie ihren Artgenossen eine drohende Gefahr, die darauf mit Flucht in den Bau reagieren. Wildkaninchen sind Pflanzenfresser, die sich vorwiegend von Gräsern, Kräutern und Blättern ernähren. Gelegentlich –vor allem im Winter- verzehren sie auch Rinde und Zweige.

 

Die sprichwörtliche Massenvermehrung der Kaninchen kann in unseren Breiten 5 - 7 Würfe an Jungtieren im Jahr zeitigen. Die Jungtiere werden -im Unterschied zum Feldhasen- in unterirdischen Bauen in einem gur gepolsterten Wurfkessel abgelegt, Sie sind bei der Geburt nackt und blind.

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Die hohe Vermehrungsrate wird bei uns zum einen durch Beutegreifer, aber auch maßgeblich durch 2 kaninchenspezifische Erkrankungen reguliert: Die Myxomatose und die China-Seuche.

tl_files/Saeuger/Myxo.jpgKaninchen mit Myxomathose-Erkrankung

Die Myxomatose ist eine durch Pockenerreger ausgelöste Virus-Erkrankung, die zu einem bereits optisch gut erkennbaren starken Anschwellen der Schleimhäute führt. Die Übertragung des Virus findet meist indirekt durch blutsaugende Parasiten wie Mücken und Flöhe statt. Ein erhöhtes Insektenaufkommen in feuchtwarmen Sommern und im Herbst führt daher zu einem gehäuften Auftreten der Erkrankung in diesen Jahreszeiten. Ferner kann das Virus durch direkten Kontakt von Tier zu Tier durch Beschnuppern und Schleimhautkontakt übertragen werden. Während die Sterblichkeit bei dieser Erkrankung nur bei 40 bis 60 Prozent liegt, hat sich das in den letzten Jahren gehäufte Auftreten der China-Seuche (RHD, Rabbit hemorrhagic disease) mit einer Sterblichkeitsrate von 100 Prozent katastrophal auf die Kaninchenbestände in ganz Mitteleuropa ausgewirkt. Ein wesentliches Merkmal dieser ebenfalls durch ein Virus ausgelösten Erkrankung ist eine hochgradige Störung der Blutgerinnung, die zu punktförmigen Blutungen in allen Geweben führt. Daneben tritt eine Leberentzündung mit Verkalkungen der Leberzellen auf. Ein weiteres Anzeichen für die Krankheit kann apathisches Verhalten sein, das innerhalb kürzester Zeit nach der Infektion auftritt. Danach treten Krampfsymptome ein, die im Allgemeinen innerhalb von 12 bis 48 Stunden zum Tod des Tieres führen. Im Endstadium ist ein Überstrecken des Kopfes zum Rücken hin typisch.

 

In Grevenbroich sind Wildkaninchen recht weit verbreitet und besiedeln nicht nur lichte Wälder, Waldränder und Rekultivierungsflächen, sondern auch innerstädtische Grünanlagen und nicht zuletzt auch Friedhöfe, wo sie gelegentlich durchaus durch Abfressen der Grabbepflanzungen lästig werden können.

 

Eichhörnchen

 

In seinem Körperbau ist das Eichhörnchen hervorragend an eine baumbewohnende und kletternde Lebensweise angepasst. Der buschig behaarte Schwanz dient beim Klettern als Balancierhilfe und beim Springen als Steuerruder.

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Beim Laufen wird der Schwanz stets in der Luft gehalten. Sie haben an den Vorderpfoten vier lange, sehr bewegliche, mit langen gebogenen Krallen ausgestattete Finger; die verkümmerten Daumen haben ebenfalls Krallen. Die Hinterbeine sind überproportional lang und sehr kräftig. Die langen gebogenen Krallen bieten den Eichhörnchen auch beim schnellen Klettern kopfüber an glatten Stämmen guten Halt. Die Geschlechter sind anhand von Größe und Fellfarbe nicht zu unterscheiden. Typische Lebensräume sind, auf das gesamte Verbreitungsgebiet bezogen, überwiegend Nadelwälder der kaltgemäßigten Klimazone. Nur im europäischen Teil des Verbreitungsgebiets sind Eichhörnchen auch in Laub- und Mischwäldern heimisch. Als Kulturfolger sind sie dort heute auch in Parks und naturnahen Gärten zu finden.

Eichhörnchen sind tagaktiv. Die Tiere klettern sehr geschickt und bewegen sich stoßweise voran, ihre Bewegungen sind sehr schnell und präzise. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie einen Baumstamm hinauf- oder, mit dem Kopf voran, hinunterklettern. Wenn sie abwärts klettern, drehen sie ihre hinteren Pfoten nach außen und hinten. Mit einem Sprung können die Tiere leicht Entfernungen von vier bis fünf Metern überbrücken. Eichhörnchen wagen sich wegen ihres geringen Gewichtes auch auf sehr dünne Zweige, dabei bewegen sie sich stets springend vorwärts. Auch auf dem Boden bewegen sie sich springend.

Zum Schlafen, Ruhen und zur Aufzucht der Jungen bauen Eichhörnchen Nester, die Kobel genannt werden. Dabei handelt es sich um hohlkugelförmige Bauten aus Zweigen und Blättern, die in Astgabeln oder an der Basis eines Astes in Höhen über sechs Metern platziert werden. Der Kobel wird innen mit Moosen, Blättern und Gras ausgepolstert und ist nahezu wasserdicht, durch die dicke Wandstärke bietet er im Winter einen guten Wärmeschutz. Ein Kobel besitzt mindestens zwei Schlupflöcher, wobei eines davon immer nach unten weist, weil Eichhörnchen, anders als Vögel, von unten in ihre Behausung gehen.

Der Bau eines Kobels dauert etwa drei bis fünf Tage. Da es recht häufig vorkommt, dass die Tiere wegen Parasitenbefall oder Störungen umziehen müssen, bauen sie mehrere Nester und nutzen diese auch gleichzeitig unter ständigem Patroullieren als Futterlager. Oft wird auch je nach Lage zwischen Schlafkobeln für die Nacht und Schattenkobeln für Ruhephasen am Tage unterschieden. Verlassene Höhlen von Spechten werden als Kobelalternative gern genutzt, ebenso verlassene Vogelnester als Fundament für den Kobel oder auch große Vogelnistkästen.

Das Eichhörnchen ist ganzjährig aktiv, es hält keinen echten Winterschlaf, sondern eine Winterruhe, wobei es in strengen Wintern verminderte Aktivität zeigt, bei der das Nest oft tagelang nicht verlassen wird. In sehr warmen Sommern halten sie in ihren Kobeln ausgiebigen Mittagsschlaf. An heißen Tagen streifen sie dann nur sehr früh am Morgen oder am Abend umher, um sich mit Nahrung zu versorgen.

Eichhörnchen sind regelmäßig Einzelgänger, die nur während der Paarungszeit nach Artgenossen suchen, um sich in waghalsigen Sprüngen durch die Bäume zu jagen.

Sie gehören zu den Allesfressern. Dabei variiert die Nahrung der Tiere je nach Jahreszeit und besteht in erster Linie aus Beeren, Nüssen und anderen Früchten sowie Samen. Daneben werden auch Knospen, Rinde, Baumsaft, Blüten, Flechten, Pilze, Obst und wirbellose Tiere gefressen. Auch Vogeleier und Jungvögel sowie Insekten, Larven und Schnecken gehören zum Nahrungsspektrum. Im Herbst beginnen die Tiere dann damit, Nahrungsdepots für den Winter anzulegen, um in den winterlichen Wachphasen genug Nahrung zur Verfügung zu haben.

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Viele dieser Depots werden nicht mehr wiedergefunden oder nicht in Gänze ausgeräumt, so dass sie sich durch diese Form der Vorratshaltung immer wieder neue Nahrungspflanzen heranzüchten, eine tierische Form der Forstwirtschaft!

Die erste Annäherung der Geschlechter findet oft bereits im Januar statt, so dass nach einer Tragezeit von 38 Tagen mit den ersten Junghörnchen ab Anfang März gerechnet werden muss. Eine zweite Jungtiergeneration wird in der Regel im Sommer aufgezogen. Es ist daher auch in Gärten und Parks sehr wichtig, die naturschutzrechtlich vorgegebene Verbotszeit zum Fällen von Hecken und Gehölzen vom 01.03. bis 30.09. eines jeden Jahres einzuhalten.

In Grevenbroich profitieren die Eichhörnchenbestände von einer naturnahen Mischwaldwirtschaft im Forst und vom Erhalt alter Parkbereiche wie z.B. in Grevenbroich Stadtmitte und in Wevelinghoven. Dies sichert sowohl die Nahrungsgrundlage der Tiere als auch die arteigenen Lebenraumanforderungen.

 

Siebenschläfer

 

Der Siebenschläfer könnte auf den ersten Blick auch für ein grau gefärbtes Eichhörnchen gehalten werden. Doch ist er kleiner, hat große, schwarze Augen, rundliche Ohren und einen buschigen Schwanz. Im Gesicht weist er lange Tasthaare auf, die seine nachtaktive Lebensweise erheblich erleichtern.

tl_files/Saeuger/Siebenschlaefer_Fuesse.jpgKletterfüße des Siebenschläfers

Die Fußballen dieser Tiere sind stets etwas feucht und so beschaffen, dass Siebenschläfer Bäume und Wände ohne Probleme erklimmen können. Die Tiere werden etwa 70–160 g schwer, die Kopf-Rumpflänge beträgt 13–18 cm, dazu kommt der 11–15 cm lange Schwanz. Siebenschläfer sind Nager aus der Familie der Bilche oder auch Schlafmäuse mit bei uns 3 heimischen Arten.

Lebensraum finden diese Tiere in artenreichen Laubwäldern oder ausgedehnten alten Obstwiesen mit Höhlenbäumen, die heute leider sehr selten geworden sind.

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In Ermangelung natürlicher Schlafhöhlen kann der Siebenschläfer durchaus sein Quartier in Vogelnistkästen oder unter dem Dach menschlicher Wohnungen beziehen, wo sie recht schnell durch ihr lautes und umtriebiges nächtliches Poltern lästig werden.

Seinen Namen erhielt der Siebenschläfer wohl durch seinen sehr lange andauernden Winterschlaf von September bis Mai, der allerdings einem wirklichen Zählen der Monate nicht standhält, er müsste dann wohl eher „Neunschläfer“ heißen.

In den Sommermonaten ernähren sich Siebenschläfer von Knospen, Rinden, Früchten und Pilzen, ergänzt durch Insekten, Vogeleier oder Jungvögel. Im Herbst wird zum Anfressen des Winterspecks besonders fettreiche Nahrung bevorzugt. Dazu gehören Bucheckern, Eicheln, Nüsse und andere Samen, die viel Öl und Fett enthalten.

Rund 4 Wochen nach dem Ende des Winterschlafes beginnt die Paarungszeit, nach 30 Tagen werden dann die nackten und blinden Jungtiere geboren, die nach wiederum 21 bis 32 Tagen die Augen öffnen und begierig mit der Aufnahme fester Nahrung beginnen, um sich in der nur noch kurzen verbleibenden Zeit den nötigen Winterspeck zum Schlafen anzufressen.  

In Grevenbroich ist der Siebenschläfer leider sehr selten geworden, sein Vorkommen beschränkt sich auf nur noch einzelne Kleinbiotope in Ortsrandlagen.

 

Gartenschläfer

 

Der Gartenschläfer bleibt mit 10 – 17 cm Körperlänge etwas kleiner, als der mit ihm verwandte Siebenschläfer und ist braun gefärbt mit einer schwarzen Gesichtsmaske. Der Schwanz ist ebenfalls behaart, jedoch weniger buschig, als beim Siebenschläfer.

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Gartenschläfer sind fast ausschließlich nachtaktiv. Sie verbringen den Tag in kugelförmigen Nestern, die in Baumhöhlen und gerne in Nistkästen, aber auch frei im Gebüsch gebaut werden.

 

Die Art ist stärker bodenbewohnend als andere Bilche. Gartenschläfer sind Allesfresser, nehmen aber zumindest zeitweise überwiegend tierische Kost zu sich. Die Nahrung besteht aus Insekten, Würmern, Schnecken, kleinen Wirbeltieren und Eiern sowie aus Früchten, Samen und Knospen. Gartenschläfer fressen auch die stabilen Weinbergschnecken oder große Wegschnecken, die von anderen Tieren verschmäht werden. Der pflanzliche Anteil der Nahrung besteht aus verschiedenen Früchten, Samen, Knospen und Blättern.

Gartenschläfer halten ihren Winterschlaf von Ende Oktober bis Ende März. Diese Zeit verbringen sie in den verschiedenartigsten Höhlen im Boden, in Bäumen und in Nistkästen. Manchmal überwintern Gartenschläfer auch gemeinsam.

tl_files/Saeuger/Gartenschlaefer_Nistkasten_Winter.jpgGartenschläfer im Winterschlaf, gefunden bei einer Nistkastenreinigung

Bei den Gartenschläfern ist ein Wurf mit Jungtieren pro Jahr die Regel, Zweitwürfe sind eher selten. Das Weibchen sondert sich von seinen Artgenossen ab und bringt nach einer Tragzeit von 21-23 Tagen im Mai/Juni vier bis sechs Junge zur Welt. Es verläßt das Quartier nicht, solange die Jungen noch nackt sind. Bei einer einmaligen Störung werden die Jungen sofort in ein anderes Quartier getragen. 5 Wochen nach der Geburt beginnt die Familie sich aufzulösen, die Jungen können allerdings auch bis zum Winterschlaf zusammenbleiben.

Das einzige Vorkommen des Gartenschläfers in Grevenbroich ist im Umfeld des Welchenbergs bekannt.

 

Haselmäuse

 

Ebenfalls nachtaktiv ist der kleinste Vertreter der Bilche in Grevenbroich: die Haselmaus. Sie wiegt 15 bis 40 Gramm und wird knapp 15 cm lang, fast die Hälfte der Länge entfällt dabei auf den behaarten Schwanz. Das Fell ist gelbbräunlich bis rotbräunlich mit einem weißen Fleck an Kehle und Brust, am Schwanz ist es meist etwas dunkler. Sie wird in freier Wildbahn 3 bis 4 Jahre alt und ist mit einem Jahr geschlechtsreif.

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Die Haselmaus lebt bevorzugt in Laub- und Laubmischwäldern, an gut strukturierten Waldrändern sowie auf gebüschreichen Lichtungen und Kahlschlägen. Außerhalb geschlossener Waldgebiete werden in Parklandschaften auch Gebüsche, Feldgehölze und Hecken sowie gelegentlich in Siedlungsnähe auch Obstgärten und Parks besiedelt. Tagsüber schlafen die dämmerungs und nachtaktiven Haselmäuse in faustgroßen Kugelnestern in der Vegetation oder in Baumhöhlen. Sie können auch in Nistkästen gefunden werden.

tl_files/Saeuger/Haselmaus_nistkasten.jpgHaselmaus im Nistkasten

Ein Tier legt pro Sommer 3 bis 5 Nester an. Ab Ende Oktober bis Ende April/Anfang Mai verfallen die Tiere in den Winterschlaf, den sie in Nestern am Boden unter der Laubschicht, zwischen Baumwurzeln oder in frostfreien Spalten verbringen.

In günstigen Jahren können sie sich zwei Mal fortpflanzen.

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Die Haselmaus hat einen vergleichsweise geringen Aktionsradius mit bis zu 2.000 Quadratmeter großen Revieren. Innerhalb ihres Lebensraumes legen die Weibchen meist nur geringe Entfernungen von weniger als 50 Metern zurück. Die Männchen können größere Ortswechsel von über 300 Metern in einer Nacht vornehmen. Die Haselmaus erreicht in Deutschland ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze. Zusammenhängende Vorkommen konzentrieren sich auf die Mittelgebirgs und Gebirgsregionen. In NRW liegen die Hauptverbreitungsgebiete im Weserbergland, im Bergischen Land, im Sauer- und Siegerland sowie in der Eifel.

Die Haselmaus zählt zu den streng geschützten Arten, in Grevenbroich sind Vorkommen in unterholzreichen, lichten Waldbeständen um die Frimmersdorfer und Vollrather Höhe bekannt.

 

Marder

Zu den Marderartigen Säugern zählen in der Grevenbroicher Fauna Steinmarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel und auch der Dachs.

Steinmarder

Wegen seiner sehr menschennahen Lebensweise als Kulturfolger wird der Steinmarder auch oftmals als Hausmarder bezeichnet. Steinmarder haben den klassischen Körperbau der Marder mit einem langgestreckten, schlanken Rumpf und relativ kurzen Gliedmaßen. Der Schwanz ist relativ lang und buschig. Gut zu identifizieren ist der Steinmarder an seiner dunkelbraunen Körperfärbung mit einem weißen und oft gegabelten Kehlfleck, der sich bis auf die Vorderbeine erstrecken kann.

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Er ist oft in der Dämmerung oder nachts in der Nähe menschlicher Siedlungen - vornehmlich mit Altbebauung - zu sehen. Seine Unterschlüpfe sucht er sich hier in Scheunen, Schuppen, Holzstapeln oder auch Dachböden, wo er gelegentlich durch lautstarkes Poltern und Herumtoben in der Paarungszeit oder bei der Führung heranwachsender Jungtiere lästig wird. Obwohl Steinmarder sehr geschickte Kletterer sind, begeben sie sich selten auf Bäume, zur Nahrungssuche stöbern sie auf dem Boden oder auch auf den Dächern von Gebäuden umher, wo Nager -bis Kaninchengröße- Vögel, deren Eier und größere Insekten erbeutet werden.Im Sommer bildet vegetarische Kost, insbesondere Obst, Beeren und Früchte, einen wichtigen Teil der Nahrung.

Die Paarung erfolgt von Juni bis August, bedingt durch eine Keimruhe -ähnlich des Rehwilds- bringen die Weibchen aber erst im März oder April die Jungtiere zur Welt. So liegen zwischen Paarung und Geburt acht Monate, die eigentliche Wachstumszeit der Föten ist aber nur einen Monat lang. Die Wurfgröße beträgt im Normalfall drei bis vier, die Neugeborenen sind blind und nackt.

tl_files/Saeuger/Steinmarder_juv.jpgSteinmarderjunges, ca 7 Tage alt

Nach einem Monat öffnen sie die Augen, nach zwei Monaten werden sie entwöhnt und im Herbst werden sie selbständig.

Steinmarder sind dafür bekannt, dass sie bei Fahrzeugen Kabel, Schläuche und Dämmmaterial zerbeißen und so Schäden anrichten können. Ursachen dafür sind nicht, wie vielfach angenommen, die Restwärme des Motors oder der Geruch des Fahrzeugs, der die Tiere anlockt. Reviermarkierungen von Artgenossen im Motorraum sind vermutlich hauptsächlich verantwortlich für das Interesse der Steinmarder an Autos. Das heißt, nicht der erste Marder, der im Motorraum Zuflucht suchte, beschädigt das Auto, sondern der nächste, den der Geruch des Kontrahenten aggressiv macht. In Grevenbroich ist der Steinmarder flächig verbreitet in Gegenden mit Altbebauung, Schuppen, Gartenhäuschen und Scheunen, durch seine nächtlich Lebensweise wird er nur selten beobachtet.

 

Iltis

Bei uns heimische Iltisse haben einen schlanken, langgestreckten Körper mit kurzen Gliedmaßen. Das Fell ist dunkelbraun oder schwarz gefärbt, wobei das gelbliche Unterfell durch die Deckhaare hindurch schimmert. Die Schnauze ist weißlich, ebenso der Bereich hinter den Augen und die Ohrenränder. Schwarze Flecken um und vor den Augen sorgen für eine maskenähnliche Gesichtszeichnung.

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Trotz seiner größeren Menschenscheu ist der Iltis kein ausgeprägter Waldbewohner, sein Lebensraum sind eher die offenen Waldränder, aber auch Felder und Wiesen. Oft ist er in der Nähe von Gewässern und Feuchtgebieten zu finden. Seltener siedelt er bis in die Nähe von Dörfern und auf Höfen, wo auch Ställe und Scheunen zu seinem Jagdrevier gehören. Als nachtaktive Jäger ziehen sie sich tagsüber in selbstgegrabene Baue, Felsspalten, hohle Baumstämme, verlassene Baue anderer Tiere (zum Beispiel denen von Kaninchen), aber auch in Gebäude und Mauernischen zurück. Sie leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch und markieren ihr Revier mit dem Sekret einer Analdrüse. Dieses übelriechende Sekret wird auch zur Verteidigung eingesetzt. Die Tiere halten sich vorwiegend am Boden auf. Sie klettern fast nicht, können aber gut schwimmen und tauchen und begeben sich auch in Gewässern auf Nahrungssuche nach Fischen, Fröschen und Krebsen. Auch die Anlage von Nahrungsvorräten ist beim Iltis zu beobachten. Die Paarung findet von März bis Juni statt. In dieser Zeit kann es zu Kämpfen zwischen den Männchen um das Paarungsvorrecht kommen, während der Begattung selbst stellt das Männchen das Weibchen mit Hilfe eines Nackenbisses ruhig. Nach rund 42-tägiger Tragzeit bringt das Weibchen -im Gegensatz zum Steinmarder ohne Keimruhe- durchschnittlich drei bis sieben Jungtiere zur Welt. Diese sind bei der Geburt blind und recht klein bei einem Gewicht von etwa 10 Gramm. Nach einem Monat öffnen sich ihre Augen, im gleichen Zeitraum werden sie entwöhnt. Mit rund drei Monaten sind sie ausgewachsen und werden selbständig.

tl_files/Saeuger/Frettchen.jpgFrettchen, alte Zuchtform des Iltis, werden zur Kanichenjagd verwendet

Bereits vor fast 1000 Jahren wurden Iltisse von Menschen gefangen, domestiziert und zur Jagdunterstützung abgerichtet. Die Zuchtform wird als Frettchen auch heute noch zur Jagd auf Wildkaninchen eingesetzt.

In Grevenbroich ist der Iltis im Umfeld der Erftniederung flächig aber nirgends häufig anzutreffen.

 

Hermelin

 

Hermeline haben den für viele Marder typischen langgestreckten, schlanken Körper mit  kurzen Beinen und eher kurzem Schwanz. Im Sommerfell zeigen sie die für viele Wiesel typische Färbung mit brauner Oberseite und weißer Unterseite. Im Winterfell ist es in unseren Breiten komplett weiß, mit Ausnahme einer schwarzen Schwanzspitze, die es eindeutig vom Mauswiesel unterscheidbar macht.

Hermeline bewohnen verschiedene Lebensraumtypen, wobei wassernahe Lebensräume anscheinend bevorzugt werden. Offensichtlich besteht eine enge Bindung an das Vorkommen von Scher-, Erd- und Feldmäusen. Typisch sind strukturreiche Landschaften z. B. mit Wiesen, Hecken und Feldgehölzen oder Siedlungsgärten. Geschlossene Wälder werden eher gemieden.

Das Hermelin geht bevorzugt am Tag und während der Dämmerung auf Nahrungssuche, es orientiert sich dabei vor allem über Geruch und Gehör, oft macht es dabei „Männchen“. Ist die Beute erkannt, pirscht es sich an, um sie schnell und überraschend mit einem Biss in den Hinterkopf zu töten und sie anschließend in den Bau zu tragen. Die früher verbreitete Annahme, dass Hermeline ihren Beutetieren das Blut aussaugen, ist falsch.

Hauptsächlich erbeuten Hermeline kleine Säugetiere wie Mäuse, Ratten, Kaninchen, Spitzmäuse und Maulwürfe. Insbesondere bei einem Mangel an Kleinsäugern verzehren sie auch kleinere Vögel sowie selten Reptilien, Fische und Insekten. Ganzjährig bedeutsam sind Wühlmäuse wie Schermäuse und Feldmäuse, so dass sich deren Lebensräume meist mit Hermelinbiotopen überschneiden.

Die Paarung findet im Spätfrühling oder Sommer statt, danach kommt es allerdings wie beim Steinmarder zur Keimruhe, das heißt die befruchtete Eizelle nistet sich erst im März des folgenden Jahres ein. Die tatsächliche Tragzeit beträgt somit nur rund einen Monat, und im April oder Mai kommen durchschnittlich 6 bis 9 Jungtiere zur Welt. Diese wiegen nur rund zwei bis drei Gramm und sind blind und hilflos; sie werden nur vom Weibchen versorgt und verteidigt. Sechs Wochen lang werden sie gesäugt; in dieser Zeit gleichen sie sich im Aussehen den Alttieren an. Weibchen sind schon nach zwei bis drei Monaten geschlechtsreif und können sich noch in ihrem ersten Lebensjahr fortpflanzen; Männchen erreichen die Geschlechtsreife hingegen erst mit einem Jahr.

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Hermelins beträgt nur ein bis zwei Jahre. Dafür sorgen viele Fressfeinde, unter anderem Greifvögel, Eulen, Füchse und Dachse. Theoretisch können sie aber ein Alter von sieben Jahren erreichen.

Viele Hermeline leiden auch an einem parasitischen Fadenwurm (Skrjabingylus nasicola), der von Spitzmäusen übertragen wird und im Nasenraum lebt; er dringt später ins Gehirn vor und verursacht den Tod seines Wirtes.

 

Mauswiesel

 

Das Mauswiesel ist der kleinste Vertreter der Raubtiere überhaupt, wie der Name bereits ausdrückt, verschwinden sie bei Gefahr oder auf der Jagd blitzschnell in umliegenden Mauselöchern.

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Das Fell des Kleinen Wiesels unterscheidet sich vom Hermelin durch die gezackte Linie zwischen der braunen Oberseite und der weißen Unterseite sowie durch braune Füße und einen braunen Schweif (ohne die schwarze Spitze).

Mauswiesel bewohnen eine Reihe von Lebensräumen, darunter Grünland- und Weinbergsbrachen, Waldränder, Wiesen und Weiden. Insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Gebieten erreichen sie im Sommer hohe Populationsdichten. Zur Fortbewegung und Jagd werden lineare Strukturen wie Hecken, ungepflegte Gräben, Altgrasstreifen und Feldränder genutzt.

Sie können sowohl bei Tag als auch bei Nacht unterwegs sein, in den meisten Fällen sind sie allerdings tag- oder dämmerungsaktiv. Als Deckung und Unterschlupf nutzen sie dichte Vegetation, Felsspalten, hohle Baumstämme, Steinhaufen oder Baue anderer Tiere. Die Nester, meist ehemals von Mäusen genutzt, werden mit trockener Vegetation, Haaren oder Federn ausgekleidet.

Mauswiesel leben außerhalb der Paarungszeit vermutlich einzelgängerisch. Sie sind bei guten Nahrungsverhältnissen standorttreu, wobei von Männchen bis zu 50 Hektar große Reviere genutzt werden, von Weibchen kleinere Gebiete. Die Grenzen ihres Territoriums werden mit dem Sekret ihrer Analdrüsen markiert. Männchen leben in der Hauptpaarungszeit von März bis Oktober in der Regel nomadisch auf der Suche nach fortpflanzungsfähigen Weibchen. Begegnungen mit anderen Männchen werden dabei vermieden, können aber auch in aggressiven Auseinandersetzungen enden.

Die Nahrung der Mauswiesel besteht vorrangig aus Kleinsäugern, insbesondere Nagetieren. Durch ihren Körperbau sind sie hervorragend an die unterirdische Jagd in Mäusegängen angepasst. Aufgrund ihres sehr engen Nahrungsspektrums sind Mauswiesel an Lebensräume mit einer Mindest-Mäusedichte gebunden, wobei sie kurzzeitig und jahreszeitenabhängig auch auf andere Nahrung wie Vögel und deren Eier, Junghasen oder Eidechsen ausweichen können. Aufgrund ihres hohen Stoffwechsels sind diese kleinen Raubtiere jedoch auf eine kontinuierliche Deckung ihres Energiebedarfs angewiesen.

 

In Grevenbroich ist das Mauswiesel in rückläufigen Beständen in mäusefreundlichen Lebensräumen, z.B. Brachen, Friedhöfen und offenen Waldräumen zu beobachten.

 

Dachs

Der Europäische Dachs ist ein Raubtier aus der Familie der Marder. Er war das Wildtier des Jahres 2010 in Deutschland und Österreich.

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Der Dachs bewohnt meist wald- und gehölzbestandene reichhaltig strukturierte Landschaften, wo er seine umfangreichen Baue gerne an Hängen anlegt. Er zeigt ein sehr breites Nahrungsspektrum, das je nach Jahreszeit mehr aus tierischer oder aus pflanzlicher Kost bestehen kann. Einen großen Anteil machen Regenwürmer aus, aber auch Insekten, Kleinsäuger, Aas, Feldfrüchte oder Beeren werden gefressen. Das Gewicht beträgt im Durchschnitt zwischen 7 und 14 kg, seltener bis zu 17 kg. Weibchen sind durchschnittlich kleiner und leichter. Charakteristisch für den Dachs ist vor allem die schwarz-weiße Zeichnung des Kopfes. Dieser ist oberseits inklusive der Lippen und dem Kinn überwiegend weiß. Von den Mundwinkeln ziehen sich jedoch zunächst gerade nach oben und dann beiderseits der Schnauze schwarze Streifen nach hinten und sich verbreiternd über die Augen und die weiß gerandeten Ohren bis in den Nacken, wo sie heller werden und in das silbrige Grau der Oberseite und der Flanken verlaufen.tl_files/Saeuger/Dachs2.jpg

Die Unterscheidung eines Dachsbaues von einem Fuchsbau ist insofern einfach, als sich in der Nähe von Dachsbauen regelmäßig so genannte Dachsklos befinden. Der Dachs setzt seinen Kot nämlich in dafür von ihm gegrabene kleine Erdlöcher. Nicht selten werden die Baue auch von Fuchs und Dachs gemeinsam bewohnt. Dachsbaue können durchaus recht groß sein und bei längerer Nutzungsdauer einen Durchmesser von 30 Metern haben kann. In etwa fünf Meter Tiefe liegt der Wohnkessel, der über zahlreiche Gänge mit der Oberfläche verbunden ist. Diese Gänge dienen der Luftzufuhr und als Ein- und Ausgänge. Im Gegensatz zum Fuchs polstert der Dachs den Kessel seines Baues mit trockenem Laub, Moos oder Farnen aus.

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Für die Fotos dieser Grevenbroicher Dachse danken wir unserem Freund und Tierfilmer Helmut Sütsch, der die Tiere bereits häufiger mit der Kamera begleitet hat. In Grevenbroich lebt der Dachs im Süden entlang der Rekultivierungsgebiete, im Gustorfer Bend und auch im Langwadener Raum.

Igel

Igel sind dämmerungs- und nachtaktive, insekten-fressende Winterschläfer. Sie gehören erdgeschichtlich zu den ältesten noch existierenden Säugetierformen. Ihre Vorfahren lebten schon vor etwa 65 Millionen Jahren, ihr derzeitiges Aussehen besitzen die Stacheltiere seit circa 15 Millionen Jahren.

Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn finden Igel Nahrung und Artgenossen. Das Gehör ist ebenfalls gut ausgeprägt, es reicht weit in den Ultraschallbereich hinein. Das Sehvermögen ist dagegen nur mäßig.

Bei Gefahr fauchen, puffen oder tuckern Igel. Selten hört man ein helles Keckern oder ihre lauten Schmerzens- oder Angstschreie, die an das Kreischen einer Eisensäge erinnern.

Ein zusätzliches Sinnesorgan ist das Jacobsonsche Organ. Begegnet einem Igel ein ihm unbekannter Geruch oder Stoff, etwa frische Farbe, beriecht und bekaut er diesen, bis schaumiger Speichel entsteht. Nach der Prüfung des Materials spuckt er den Speichel unter großen Verrenkungen auf seinen Rücken. Diese Eigenart der Igel hat natürlich nichts mit Tollwut zu tun.

Die Hauptnahrung der Igel sind Laufkäfer, Regenwürmer und die Larven von Nachtschmetterlingen. Ohrwürmer sind eine besondere Delikatesse, während ihnen Asseln nicht besonders gut schmecken. Außerdem fressen sie auch Schnecken, Hundert- und Tausendfüsser, Spinnen und sonstige Insekten. Pflanzliche Nahrung nehmen Igel nur zufällig auf, etwa wenn an einem Regenwurm noch etwas Gras haftet. Igel fressen kein Obst und kein Gemüse!

Je nach Witterung und Klima liegt die Paarungszeit zwischen Mai und August. In Deutschland werden rund 80 % aller Igel in den Monaten August und September geboren. Zweitwürfe sind äußerst selten.

 

Nach einer Tragzeit von 35 Tagen kommen durchschnittlich vier Junge zur Welt. Bei der Geburt der 12 bis 25 Gramm schweren Igelbabys sind Augen und Ohren geschlossen, sie haben aber schon etwa 100 Stacheln. Im Alter von 14 Tagen beginnen sich Augen und Ohren zu öffnen, nach drei Wochen stoßen die Zähnchen durch. Die Igelin säugt die Kleinen 42 Tage lang, und zwar tagsüber, denn nachts muss sie auf Nahrungssuche. Im Alter von 25 Tagen verlassen die Jungen erstmals das Nest und unternehmen kleinere Ausflüge, bei denen sie damit beginnen, auch feste Nahrung aufzunehmen. Weder begleitet sie die Mutter auf der Futtersuche, noch zeigt sie ihnen, wie sie welche Nahrung erbeuten können. Mit sechs Wochen sind die Jungtiere selbständig und zerstreuen sich allmählich. Die Männchen haben mit der Aufzucht der Jungen nichts zu tun.

tl_files/Igel_Albino.jpgLaune der Natur: ein Albinoigel

Zur Überbrückung der nahrungsarmen Monate halten Igel Winterschlaf. Bis zum Herbst fressen sie sich ein Fettpolster an, das als Energiespeicher dient. Dank der auf ein Minimum herabgesetzten Körperfunktionen können sie damit bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen. Im Winterschlaf ist ihre Herztätigkeit von ca. 180 Schlägen pro Minute auf etwa 8 Schläge pro Minute verringert; sie atmen lediglich 3 - 4mal anstatt 40 - 50mal pro Minute. Die Körpertemperatur sinkt von 36 Grad auf 5 Grad ab, ist aber immer höher als die Umgebungstemperatur. Während des Winterschlafs verlieren die Igel 20 bis 40 % ihres Körpergewichts.

 

Fuchs

Feldhamster

Fledermäuse

tl_files/Saeuger/Wasserfledermaus Fridorf.jpgWasserfledermäuse unter einer Erftbrücke

tl_files/Saeuger/BrLangohr.jpgBraune Langohren in einem Nistkasten für Vögel

tl_files/Saeuger/Abendsegler.jpgVerletzter Abendsegler aus dem Stadtpark (Hans-Gottfried-Bernrath-Park) in Stadtmitte

...wird fortgesetzt...