Libellenarten in Grevenbroich

Das Gebiet der Stadt Grevenbroich war bis zum Beginn der Erftmelioration im 18. Jahrhundert, die mit einer Verkürzung des Fließgewässersystems der Erft, Erhöhung des Gewässergefälles, Beschleunigung des Wasserabflusses und Anlage von Flutgräben zur Vermeidung von Hochwasser einherging, geprägt von hohem Grundwasserstand und regelmäßigem Hochwasser in der Erftniederung. Durch die Vielzahl der damit vorhandenen unterschiedlichen Gewässertypen (Quellgewässer, Fließgewässer, Stillgewässer, Klein- und Kleinstgewässer) herrschte eine hohe Biotopvielfalt, die eine hohe Artenvielfalt an Libellen vermuten lässt. Leider liegen aus der damaligen Zeit keine Angaben über die Libellenfauna vor.

Anlass der seit dem Jahre 2000 andauernden Untersuchung war, einen zeitnahen Überblick über die aktuelle Libellenfauna in Grevenbroich zu gewinnen. Libellen, ihre Larven und sogar die leeren Larvenhäute (Exuvien) sind gesetzlich geschützt und dürfen ihren Lebensräumen nicht entnommen, gefangen oder getötet werden. Darüber hinaus mussten landesweit von den vorkommenden bodenständigen 66 Arten bereits 43 in die Rote Liste der gefährdeten Arten aufgenommen werden, lediglich 23 Arten gelten noch als im Fortbestand ungefährdet.

Libellen eignen sich als Bioindikatoren und lassen durch Vorhandensein bzw. Fehlen Rückschlüsse auf die Qualität einzelner Gewässer, aber auch flächig Angaben über die Biotopvielfalt unserer Gewässer zu.

Um die nachfolgenden Angaben über die im Einzelnen festgestellten Arten nicht fehl zu interpretieren, werden die Angaben der Roten Liste der Libellen in NRW in der 3. Fassung vom 01.10.1998 übernommen, wonach auch zwischen einzelnen Großlandschaften unterschieden wird. Das Stadtgebiet Grevenbroich ist demnach der Niederrheinischen Bucht zuzuordnen. Hier werden grundsätzlich 55 Libellenarten als bodenständig bezeichnet.

Die einzelnen Libellenarten unterscheiden sich in ihren Lebensraumansprüchen erheblich. Es gibt anpassungsfähige Arten und Spezialisten, die an einen Biotoptyp gebunden sind. Besiedelt werden Fließ- und Stillgewässer, Seen, Teiche, Moore, Kleinstgewässer, auch temporäre Gewässer, wenn die Ansprüche an Höhenlage, Wasserqualität, Vegetation, Substrat, Umgebung und - für die Moosjungfern - Fischfreiheit erfüllt werden.

Da in Grevenbroich bestimmte Biotoptypen wie z.B. Moore, Quellgewässer oder fischfreie Gewässer fehlen, sind die hierauf spezialisierten Arten auch nicht zu erwarten.

Die Libellenarten werden unterschieden in Großlibellen (Anisoptera) und Kleinlibellen (Zygoptera).

Wichtige Unterscheidungsmerkmale:

Kleinlibellen: Hinterleib (Abdomen) lang und nadelartig dünn, Augen deutlich voneinander getrennt, Vorder- und Hinterflügel gleiche Form, an der Basis gestielt oder verjüngt, Ruhehaltung der Flügel zusammengefaltet über den Körper, bei den Teichjungfern schräg nach hinten gespreizt, Flug schwebend und flatternd.

tl_files/Libellen Homepage/Prachtlibelle Weib.jpgVertreter der Kleinlibellen, z.B. Gebänderte Prachtlibelle, Weibchen

Großlibellen: Hinterleib (Abdomen) kräftig, Augen berühren sich (Ausnahme Flussjungfern), Vorder- und Hinterflügel unterschiedliche Formen, an der Basis ungestielt bzw. breit, Ruhehaltung der Flügel waagrecht, bei den Segellibellen nach vorn gerichtet.

tl_files/Libellen Homepage/Grosslibelle Beispiel.jpgVertreter der Großlibellen, z.B. Große Königslibelle

Im Zuge der Erhebungen wurden insgesamt 19 Gewässer in Grevenbroich seit dem Jahr 2000 immer wieder von Frühjahr bis Herbst untersucht, so dass auch quantitative Aussagen zu den einzelnen Arten möglich sind. Von den in der Niederrheinischen Bucht bodenständigen 55 verschiedenen Arten konnten 36 Arten in Grevenbroich festgestellt werden. Lediglich zum untersuchten Gewässerkomplex "Elsbachtal" sind die Daten noch zu ergänzen bzw. zu aktualisieren, da sich dort das Wasserregime von "ständig wasserführend" zu temporär wasserführend" geändert hat. Es ist davon auszugehen, dass dies nachhaltigen Einfluss auf die Libellenfauna genommen hat.

Um eine aussagekräftige Libellenkartierung erstellen und auch auf einem zeitnahen Level zur Belastbarkeit der Beobachtungsdaten zu halten sind hunderte von Gewässerbegehungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten und sorgfältige Dokumentationen erforderlich. Unser ausdrücklicher Dank gilt daher neben den Mitarbeitern des Umweltzentrums auch Peter Rolf aus Bergheim, dem Dipl.Biologen Oliver Tillmanns und Lothar Menzel für die Übermittlung von Fotos und Beobachtungsdaten.

Im Einzelnen wurden folgen Arten bestimmt:

Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)

tl_files/Libellen Homepage/Gebaenderte Prachtlibelle.jpgGebänderte Prachtlibelle: Männchen

Die Prachtlibellen sind mit einer Flügelspannweite von 6-7 cm und einer Körperlänge von etwa 5 cm die grössten der heimischen Kleinlibellen; (sie sind damit grösser als beispielsweise Heidelibellen, die ja zu den Grosslibellen zählen). Ihnen fehlt das sonst für Libellen typische Flügelmal (Pterostigma). Die Männchen der Prachtlibellen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. In Europa kommen 4 Arten vor, die sich alle nur in sauerstoffreichen Fliessgewässern entwickeln.

tl_files/Libellen Homepage/GebPrachtlibelleweib.jpgGebänderte Prachtlibelle: Weibchen

Kennzeichen:Länge bis 50 mm; Spannweite bis 70 mm. Körper des Männchens blau, metallisch glänzend, Flügel mit breiter, blau-grüner Binde, vor der Binde und in der Flügelspitze grünlich durchscheinend. Weibchen metallisch grün, Flügel einfarbig grünlich durchscheinend. Schwanzblättchen der Larve mit 2 hellen Querbinden, mittleres Schwanzblättchen breiter als die äußeren.

Flugzeit: Mitte Mai – Ende September

Vorkommen: Im Gegensatz zur "Blauflügel Prachtlibelle" an langsam fließenden, gut besonnten Bächen und Flüssen in ganz Europa.

Wissenswertes: Sitzen die Tiere in der Ufervegetation, sind sie nicht leicht zu entdecken. Im Flug fallen vor allem die Männchen sofort auf. Sie besetzen Reviere, die sie immer wieder mit einem eigenartigen flatternden Schwirrflug abgrenzen. Dringen fremde Artgenossen in das Revier ein, werden sie von den Revierinhabern angegriffen. Interessant ist auch das Paarungsverhalten. Die Männchen zeigen anfliegenden Weibchen zunächst die Unterseite des Hinterleibes. Dort befindet sich ein weißliches Mal, das sogenannte „Schlußlicht“. Dies dient wohl als Schlüsselreiz und innerartliches Erkennungsmerkmal der Partner. Dann führen sie im Flug einen Balztanz vor, an den sich die Paarung anschließt. Das Weibchen fliegt dann alleine zum Eiablageplatz und legt die Eier in schwimmende Pflanzenteile ab. Dabei taucht es manchmal ganz unter. Die Männchen verteidigen inzwischen das Revier.

Larve: Aus dem Ei schlüpft zunächst eine Vorlarve mit beweglichen Gliedmaßen, die sich unmittelbar zum ersten freien Larvenstadium häutet. Calopteryx-Larven sind durch ihre stabförmige Gestalt und die sehr langen Beine unverkennbar. Sie bewegen sich wenig und werden dadurch im Fangkescher leicht übersehen. Äußere Schwanzblätter 3-kantig, das mittlere kürzer, blattförmig und breiter als die Äußeren. Helle Querbinden auf den Schwanzblättchen sind deutlich erkennbar. Sie überdauern wochenlanges Eintrocknen ihres Wohngewässers durch Eingraben im Schlamm. Ernährungsweise räuberisch. (Einzeller, Kleinkrebse, Würmer, Wasserinsekten ...) Entwicklungsdauer 2 Jahre, 10-15 Larvenstadien. Darmatmung: An der Innenwand des Enddarms stehen 6 Reihen von Tracheenkiemen (winzige weiße Blättchen).

Die Gebänderte Prachtlibelle taucht in Grevenbroich trotz ihrer Einstufung als „gefährdet“ lt. Rote Liste NRW an nahezu allen Fließgewässern auf, lediglich am Elsbach wurde der Nachweis bislang (noch?) nicht geführt. Sie wurde sogar bei Bestandsaufnahmen an Stillgewässern gefunden, jedoch ist hier davon auszugehen, dass es sich bei diesen Stillgewässern um Reviere handelt, die ausschließlich zur Nahrungssuche aufgesucht wurden, weil die Erft hier unmittelbar in der Nähe vorbeifließt.

Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)

tl_files/Libellen Homepage/Winterlibelle eiablage Neur.see.jpgEiablage der Gemeinen Winterlibelle

Kennzeichen: Länge bis 35 mm; Spannweite bis 45 mm. Die "Gemeine Winterlibelle" hat eine hellbraune bis cremefarbene Grundfärbung mit dunkelbrauner, kupfern glänzender Zeichnung. An alten und trockenen Zweigen oder Pflanzenstängeln ist sie daher kaum zu entdecken. Im Gegensatz zu den anderen Lestesarten legen sie ihre Flügel in Ruhestellung zusammen.

Flugzeit: Ende März bis Juni, ab Ende August Schlupf der überwinternden Generation.

Vorkommen: An Gewässern mit ausgedehnten Röhrichten, vor allem in besonnten Bereichen.

Wissenswertes: Als einzige heimische Libellen überwintern Winterlibellen als voll entwickelte Tiere. Sie sitzen dann oft fern vom Wasser in Schlupfwinkeln. Oft werden sie schon an warmen Februartagen aktiv und kehren Anfang April zu ihren Brutgewässern zurück. Die Eiablage erfolgt im Tandemflug bereits im zeitigen Frühjahr (meist ab April) paarweise in abgestorbene im Wasser liegende Pflanzenteile. Die Entwicklungszeit der Larven ist sehr kurz. Bereits nach ca. drei Monaten ist die Entwicklung vom Ei zur schlüpfbereiten Larve abgeschlossen. Die Larve ist der der Weidenjungfer sehr ähnlich.

Keine andere Art fliegt so früh im Jahr. Anfang Juni sterben die Tiere, doch schon im August schlüpfen die Libellen der nächsten Generation, die im Oktober ihr Winterquartier aufsuchen. In Grevenbroich wurde die Gemeine Winterlibelle im Jahre 2000 erstmals am Neurather See bestimmt. Bei quantitativen Bestandsaufnahme in 2005 wurden am Neurather See im Randgraben 112 Exemplare gezählt. Auch im Elsbachtal und den Bio-Teichen in Neurath wurden weitere Nachweise geführt.

Weidenjungfer (Chalcolestes viridis)

tl_files/Libellen Homepage/Weidenjungfereiablage.jpgEiablage der Weidenjungfer

Kennzeichen: Länge bis 45 mm; Spannweite bis 60 mm. Körper grünmetallisch bis kupferfarben, Flügelmal einfarbig hellbraun.

Flugzeit: Juli bis Mitte Oktober

Vorkommen:Weit verbreitet in Mittel- und Südeuropa. Lebensraum sind von Erlen und Weiden gesäumte Weiher, aber auch Fischteiche und andere künstliche Gewässer.

Wissenswertes: Bemerkenswert ist vor allem die Fortpflanzungsbiologie dieser Art. Die Eier werden in über die Wasseroberfläche reichende Zweige, bevorzugt Erlen oder Weiden, eingebohrt. Die Rinde schwillt an den Eiablagestellen meist leicht an. Die von Mitte August bis Mitte Oktober abgelegten Eier können auch sehr harte Fröste bis ca. – 30° C überstehen. Im Frühjahr schlüpft zunächst eine 2mm lange sogenannte Prolarve, die weder Beine noch Mundwerkzeuge besitzt. Über Land geschlüpfte Prolarven können sich hüpfend Richtung Wasser bewegen, jedoch nur bei der hier beschriebenen Art. Sie schwimmen dann zunächst unbenetzbar an der Wasseroberfläche, wo sie sich erstmalig nach wenigen Minuten häuten. Sie gehen dann unter und ernähren sich von Kleinlebewesen. Die Larve scheint im Habitus etwas kräftiger, als die der anderen Lestidae – Arten, auffallend sind die breiten Kiemenblättchen und die kurze Fangmaske. Nach zehnmaliger Häutung schlüpfen die Weidenjungfern dann schließlich im Juli. Die Weidenjungfer wurde in Grevenbroich an bislang 7 Gewässern in teilweise hohen Individuenzahlen festgestellt.

Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa)

tl_files/Libellen Homepage/Gem_Binsenjungfer_L_Menzel.jpgGemeine Binsenjungfer, Foto Lothar Menzel

Kennzeichen: Länge bis 35 mm; Spannweite 40-45 mm. Flügel in Ruhehaltung, wie bei allen Lestes Arten schräg abgespreizt. Grundfärbung grünmetallisch mit kupferfarbenem Glanz, Brust der Männchen sowie erstes und hintere Hinterleibsegmente hellblau. Weibchen mehr kupferfarben ohne blaue Bereifung. Flügelmal schwarzbraun. Larve mit 3 abgerundeten dunkel gebänderten Schwanzblättchen. Wie bei allen Lestiden zweigen die Seitenadern der Kiemenblättchen fast senkrecht von der Mittelader ab. Die Larve schlüpft im Frühjahr und entwickelt sich in 2 – 3 Monaten zur fertigen Libelle.

Flugzeit: Anfang Juni bis Ende August

Vorkommen: Vor allem an Gewässern mit dichtem Bewuchs an Binsen, Teichschachtelhalm usw., auch an Gewässern, die zeitweilig austrocknen, da die Entwicklungszeit vom Ei bis zum Imago mit 2 Monaten recht kurz ist.

Wissenswertes: Wie ihre Verwandten aus der Familie der Teichjungfern spreizen die Gemeinen Binsenjungfern ihre Flügel meist seitlich ab, wenn sie auf einem Zweig oder Schilfhalm ruhen. Zur Eiablage steigt das Paar im Tandem gemeinsam an Binsen- oder Röhrichtstängeln bis etwa einen halben Meter Tiefe ins Wasser hinab. Das Weibchen sticht dann mit einem Legebohrer die Eier reihenweise ins Pflanzengewebe ein. Während dieser Zeit sind sie von einem silbrigen Luftmantel umgeben, der eine Atmung auch unter Wasser ermöglicht, so dass die Eiablage durchaus eine halbe Stunde oder länger andauern kann. In Grevenbroich wurde diese Art an 2 Gewässern kartiert.

Gemeine Federlibelle (Platycnemis pennipes)

tl_files/Libellen Homepage/Blaue_Federlibelle_L_Menzel.jpgPaarungsrad der Federlibelle, fotografiert von Lothar Menzel

Kennzeichen: Spannweite 40 – 50 mm, die einzige heimische Art mit abgeflachten, seitlich beborsteten Beinschienen („Federn“). Die 3 Schwanzblättchen der Larven enden in einem fadenförmigen Fortsatz.

Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte September

Vorkommen: An stehenden und langsam fließenden, vegetationsreichen Gewässern, recht häufig.

Wissenswertes: Nach der Paarung bleibt das Männchen mit der Hinterleibszange hinter dem Kopf des Weibchens verankert und beide begeben sich in Tandemposition zur Ablage der Eier auf Schwimmblattpflanzen oder aus dem Wasser herausragende Pflanzenteile. Die Eier werden in pflanzliches Gewebe eingestochen. Das Männchen steht hierbei aufrecht auf dem Weibchen und beobachtet die Umgebung, so dass sich das Paar bei Gefahr sofort in Sicherheit bringen kann. Auf günstigen Pflanzen kommt es oft zu größeren Ansammlungen eierlegender Paare. Die verhältnismäßig trägen Larven weisen auffällig bunt gescheckte Kiemenblättchen auf, die in der Spitze in einem langen, fadenförmigen Zipfel enden. Sie sind vor allem am Gewässergrund zu finden.

In Grevenbroich ist die Art bislang an 9 Gewässern, am häufigsten an der südlichen Erft, kartiert worden.

Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula)

tl_files/Libellen Homepage/adonislibellen1_884.jpgTandem der frühen Adonislibelle nach der Paarung

Kennzeichen: Länge bis 35 mm; Spannweite bis 45 mm. Männchen mit überwiegend rotem Hinterleib, ab dem 7. Segment mit schwarzer Zeichnung. Weibchen mit mehr schwarz. Beine immer schwarz gefärbt. Die Larve ist breiter und gedrungener, als bei allen anderen Kleinlibellenarten, mit kurzen, breiten, am Ende deutlich zugespitzten Kiemenblättchen, die in der Endhälfte oft eine dunkle Zeichnung tragen.

Flugzeit: Mitte April bis Ende August

Vorkommen: In Europa weit verbreitet an vegetationsreichen Kleingewässern.

Wissenswertes: Eine der bei uns am frühesten im Jahr erscheinenden Libellenarten. Trotz der auffälligen Färbung sind diese Libellen meist nur im Flug zu entdecken, da sie sich sonst in dichtem Pflanzenwuchs verstecken. Ihr Name bezieht sich auf das rot blühende Adonisröschen, das wiederum nach Adonis benannt ist. Adonis war nach der griechischen Mythologie ein Geliebter der Göttin Aphrodite. Deren Gemahl Ares verwandelte sich in einen Eber und tötete aus Eifersucht Adonis bei einer Jagd. Aus einem Blutstropfen ist dann ein Adonisröschen - eine rot blühende Pflanze - gewachsen. Die Eiablage erfolgt im Tandem, manchmal mit sitzendem Männchen wie bei den Teichjungfern, teils aber auch mit aufrecht stehendem Männchen wie bei den Federlibellen.

Bislang wurde die Frühe Adonislibelle in Grevenbroich an 6 unterschiedlichen Gewässern festgestellt, die Art zählt auch zu den regelmäßigen Besiedlern naturnaher Gartenteiche.

Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella)

tl_files/Libellen Homepage/Hufeisen-Azurjungfer.jpgHufeisenazurjungfer

Kennzeichen: Länge 35-40 mm; Spannweite bis 50 mm. Männchen hellblau und schwarz gefärbt, auf dem 2. Hinterleibssegment ein zum Kopf hin offenes "U"- bzw. hufeisenförmiges schwarzes Mal, das 3. Hinterleibssegment zeigt einen dünnen schwarzen Strich. Weibchen überwiegend schwarz mit grünlicher, seltener bläulicher Färbung. Die Larve hat schmale, etwas zugespitzte Kiemenblättchen. Ihr Kopf ist hinten mit regelmäßig verteilten, dunklen Punkten gezeichnet.

Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte September

Vorkommen: An fast allen Gewässertypen mit Ausnahme von schnell fließenden Bächen und Flüssen, regelmäßig auch an Gartenteichen, eine der häufigsten Kleinlibellen.

Wissenswertes: Die Hufeisenazurjungfer ist die häufigste der 6 heimischen Arten von Azurjungfern der Gattung Coenagrion und eine der bei uns häufigsten Libellen überhaupt. Die ausgewachsenen Tiere schlüpfen etwa Anfang Mai und haben eine Lebenserwartung von ca. 4 Wochen. Da aber nicht alle Tiere zeitgleich schlüpfen, kann man die Art bis Ende August beobachten. Zur Paarung greifen die Männchen die Weibchen hinter dem Kopf mit ihren Hinterleibszangen. Die Weibchen nehmen den Samen aus der vom Männchen vor der Paarungssuche gefüllten Samentasche. Dazu biegen sie den Hinterleib weit vor. Diese Haltung bezeichnet man als Paarungsrad. Männchen und Weibchen fliegen im Tandem, die Weibchen stechen die Eier in verschiedene Wasserpflanzen ein. Dabei werden sie ständig vom Männchen begleitet und nach wie vor mit den Hinterleibszangen festgehalten. Das Männchen steht hierbei aufrecht. Es verhindert so die Paarung des Weibchens mit anderen Männchen. Die Entwicklungszeit der Eier beträgt je nach den örtlichen Bedingungen zwischen 2 und 5 Wochen. Die Kiemenblättchen sind schmal und hinten sanft zugespitzt. Ihr Kopf ist am hinteren Rand mit regelmäßigen dunklen Punkten gezeichnet. Sie überwintert meist im letzten Larvenstadium.

Die Hufeisen-Azurjungfer wurde in Grevenbroich an 10 Gewässern gefunden.

Pokal-Azurjungfer (Cercion lindenii)

Kennzeichen: Spannweite 40 – 50 mm, 2. Hinterleibssegment des Männchens mit dunklem Längsband, das kurz vor dem Hinterrand rundlich erweitert ist, ähnlich einem Trinkpokal. Die nachfolgenden Segmente sind mit schmalen schwarzen Lanzettflecken gezeichnet, die nicht ganz bis zum vorderen Segmentrand reichen. Beim Männchen dieser Art sind die Augen auffallend dunkelblau. Das Weibchen erinnert mit seiner ausgedehnten, schwarzen Zeichnung auf dem Abdomenrücken sehr an die Coenagrion-Arten. Es hat aber eine markante Färbumg, die es sicher unterscheidbar macht: Thorax, Abdomenbasis und –spitze sind hellgrün, die Seiten der Segmente 4 – 6 dagegen hellblau. Die transparent erscheinende Larve hat breite, abgerundete Kiemenblättchen und an der Bauchseite des 1. Hinterleibssegmentes eine Reihe steifer Borsten.

Flugzeit: Mitte Juni bis Mitte September

Vorkommen: Die Pokal-Azurjungfer ist eine der häufigsten Kleinlibellen des westlichen Mittelmeerraumes. Vorwiegend an größeren stehenden oder langsam fließenden Gewässern, besonders an Baggerseen der Flußtäler, die aber nicht zu vegetationsreich sein sollten. Die früher bei uns seltene Kleinlibelle hat sich vermutlich durch den um sich greifenden Kiesabbau weit verbreitet.

Wissenswertes: Die Eiablage erfolgt nach dem „Coenagrion-Typ“, d.h. das Männchen bleibt mit den Hinterleibsanhängen an der Partnerin verankert und steht mit angezogenen Beinen steif aufrecht über der Partnerin. Das Weibchen taucht dabei gelegentlich ins Wasser hinab, sobald das Männchen hierbei ebenfalls einzutauchen beginnt, löst es sich von der Partnerin und erwartet deren Auftauchen. Sie bevorzugt größere Gewässer mit günstiger Temperaturbilanz und Schwimmblattvegetation.

In Grevenbroich wurde die Pokal-Azurjungfer an 3 Gewässern nachgewiesen.

Großes Granatauge (Erythromma najas)

Kennzeichen: Länge bis 35 mm; Spannweite 45-50 mm. Die Augen sind beim Männchen wie auch beim kleinen Granatauge rot gefärbt. Brustseiten beim Männchen blau, beim Weibchen grün, 9. und 10. Hinterleibssegment beim Männchen einfarbig blau. Das Weibchen ähnelt den Weibchen der Coenagrion-Arten, hat aber keine hellen Flecken zwischen den Augen. Vom kleinen Granatauge lässt sich das Weibchen nur sicher am Prothorax unterscheiden: dieser ist beim großen Granatauge zweimal tief eingebuchtet und mittig in einen dreieckigen Zipfel ausgezogen. Die Larve ist größer, als bei allen anderen Coenagrioniden, ohne Kiemenblättchen kann Sie über 20 mm lang werden. Die Kiemenblättchen sind auffallend breit, abgerundet und meist dunkel quergebändert. Die Larve ist sehr flink und bewegt sich mit schnellen, schlängelnden Bewegungen des Hinterleibs fort.

Flugzeit: Anfang Mai bis Mitte September

Vorkommen: An Stillgewässern mit ausgedehnter Schwimmblattvegetation. Meist sitzen die Tiere auf Seerosenblättern weit vom Ufer entfernt. In deren Blätter und Stängel werden auch die Eier eingestochen.

Wissenswertes: Die besten Chancen die Tiere zu beobachten hat man, wenn man mit einem Fernglas Schwimmblätter absucht. Wie alle Libellen hat auch das Große Granatauge im vergleich zu anderen Insekten sehr große Augen, die bei dieser Art durch die Färbung besonders auffallen. Diese Facettenaugen sind aus vielen tausend Einzelaugen zusammengesetzt, von denen jedes nur einen winzigen Teil der Umgebung abbildet. Die Teilbilder ergeben das Gesamtbild; man spricht auch von einem zusammengesetzten Auge. Große Granataugen legen ihre Eier bevorzugt in die Stängel von Teichrose, Weißer Seerose und Laichkräutern ab. Dazu landet das Paar auf einem Schwimmblatt und klettert dann rückwärts bis zu einem halben Meter unter Wasser. Dort können sie über 30 Minuten bleiben, wobei das Weibchen die Eier in den Stängel sticht.

Am Neurather See und an den oberhalb liegenden Bio-Teichen wurde das Große Granatauge kartiert.

Kleines Granatauge (Erythromma viridulum)

tl_files/Libellen Homepage/kl granatauge dsc_7896_138.jpgKleines Granatauge: Männchen

Kennzeichen: Länge bis 30 mm; Spannweite 35-40 mm. Brustseiten blau, Weibchen sehr ähnlich dem Großen Granatauge. Nur die Männchen des kleinen Granatauges besitzen die leuchtend roten Augen. Der Thorax der Männchen ist auf der Oberseite leicht kupferartig glänzend gefärbt. Der Hinterleib ist schwarz gefärbt mit einigen hellblauen Segmenten, ähnlich wie bei der Pechlibelle. Die beiden Granataugen-Arten können sicher an zwei Merkmalen unterschieden werden. Zum einen ist bei dem kleinen Granatauge das 2. und 8. Hinterleibssegment hellblau gefärbt, beide Segmente haben beim großen Grantauge eine dunkle Färbung. Noch deutlicher ist der Unterschied auf dem 10. Segment, hier ist beim kleinen Grantauge eine kreuzartige Zeichnung sichtbar, die beim großen Granatauge völlig fehlt. Die Männchen sitzen häufig in einer „Hohlkreuzposition“, wobei die letzten Hinterleibssegmente nach oben gebogen werden, beim großen Granatauge ist dies nicht zu beobachten. Die Weibchen haben grüne Augen und auch der Körper ist mehr grünlich statt blau gefärbt.

Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte September

Vorkommen: Vor allem an Gewässern mit ausgeprägter oberflächennaher Vegetation (Hornkraut, Tausendblatt, Seerosen usw.). Das Granatauge in seiner großen und kleinen Form wird sehr häufig übersehen, da es sich so gut wie nie am Gewässerrand aufhält. Es ähnelt stark den Pechlibellen und nur bei genauem Hinsehen kann man die roten Augen entdecken. Im Mittelmeerraum und einigen warmen Gebieten Europas ist es recht häufig, in Norddeutschland oder in Höhenlagen dagegen kaum vertreten. In warmen Jahren wandert diese Art weiter nach Norden, ähnlich wie die Feuerlibelle.

Wissenswertes: Die Art hat ihr Verbreitungsgebiet in den letzten Jahren erheblich vergrößert. Ein Zusammenhang mit Klimaveränderungen wird diskutiert, ist aber nicht gesichert. Die Eiablage erfolgt in schwimmende Pflanzenteile. Von Juni bis in den September kann das kleine Granatauge an unseren Teichen und Flussniederungen beobachtet werden, wobei die Gewässer (im Gegensatz zum großen Granatauge) klein sein dürfen. Die Gewässer sollten bereits dicht bewachsen sein, als Pionierart tritt sie nicht auf. Wichtig ist eine ausreichende Besonnung. Eine Eisfreiheit im Winter muss nicht gegeben sein. Es ist nur selten am Teichrand oder auf Büschen zu sehen, zumeist sitzt es auf Seerosenblättern oder Wasserpflanzen weit vom Ufer entfernt. Auch die Paarung und der Schlupf der Granataugen finden dort statt. Einzelne Blätter werden gegen andere Kleinlibellen verteidigt. Selbst die Königslibelle bei der Eiablage wird attackiert. Ihre Flüge beschränken sich meist auf den Bereich der Wasserpflanzen, dabei fliegen sie sehr niedrig über dem Wasser. Aufgrund dieser engen Bindung an das Wasser (z.B. Schlüpfen und Eiablage) wird Wellengang gemieden und nur ruhige Gewässer besiedelt. Nur selten tritt das kleine Granatauge vergesellschaftet mit dem großen Granatauge auf. Da es wärmeliebender ist, tritt es mehr südlich auf und das große Granatauge eher in nördlichen Gebieten. Bei wenig Sonne oder Temperaturen unter 20 Grad sind keine kleinen Granataugen am Gewässer zu sehen; das große Granatauge hingegen schon ab 12 Grad Lufttemperatur. Die Paarung beginnt zunächst als Tandem (Hochzeitsflug), wobei das Paar ein freies Blatt für sich sucht und dort die Paarung vollzieht. Das Paarungsrad besteht nur für wenige Minuten. Nach der Paarung werden die Eier in Tandemposition in die Blattränder oder Stängel eingestochen. Anders als das große Grantauge taucht das kleine Grantauge dabei nicht tief unter Wasser bei der Eiablage. Die Larven überwintern an den Wasserpflanzen bzw. nach deren Absterben auf dem Gewässergrund. Nach einem Jahr schlüpft die nächste Generation Granataugen. Trockenfallen von Teichen überleben die Larven nicht. Schlupfbeginn ist im Juni, die Hauptflugzeit dann im Juli. Einzelne Exemplare fliegen bis in den Oktober hinein.

Das kleine Granatauge wurde in Grevenbroich an 5 Gewässern sicher nachgewiesen.

Große Pechlibelle (Ischnura elegans)

tl_files/Libellen Homepage/Pechlibelle.jpgGroße Pechlibelle

Kennzeichen: Länge bis 28 mm; Spannweite 35-40 mm. Beide Geschlechter am Hinterleib oberseits schwarz, 8. Hinterleibssegment leuchtend blau gefärbt. Während das ausgefärbte Weibchen nur schwer vom Männchen zu unterscheiden ist, besitzen junge Weibchen bis etwa zum Alter von einer Woche eine sehr auffällige violette bis rosa Thoraxfärbung.

Flugzeit: Mitte Mai bis Ende September

Vorkommen: Weit verbreitet in Europa und Nordasien. Eine unserer häufigsten Libellenarten, die an fast allen Gewässertypen vorkommt.

Wissenswertes: Oft sind Große Pechlibellen die ersten Libellen, die sich an neu angelegten Gartenteichen einfinden. Das Verhalten bei der Eiablage unterscheidet sich von den übrigen Schlankjungfern durch die Tatsache, daß das Weibchen die Eier ohne die Begleitung des Männchens in Wasserpflanzen ablegt. Die Larven haben schmale, zugespitzte Kiemenblättchen mit deutlich sichtbaren, hell/dunkel gescheckten Adern. Die Seitenadern zweigen, wie bei allen Coenagrioniden, schräg von den Mitteladern ab. Die Beine weisen vor den Gelenken einen deutlichen dunklen Ring auf. Die Überwinterung erfolgt meist im letzten Larvenstadium. Wie bei allen Schlanklibellen ist die Entwicklungsdauer einjährig.

In Grevenbroich zählt die Große Pechlibelle zu den häufigsten Arten, sie wurde an 11 Gewässern mit teils hohen Stückzahlen (Neurather See, Bio-Teiche und Elsbachtal) angetroffen.

Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio)

Kennzeichen: Im Gegensatz zur Großen Pechlibelle (nur das 8. Hinterleibssegment blau gefärbt bei beiden Geschlechtern) ist das hintere Drittel des 8. und das 9. Hinterleibssegment blau gefärbt. Dem Weibchen fehlt die Blaufärbung auf dem Hinterleib, es ist nach dem Schlüpfen zunächst leuchtend orange gefärbt und nimmt später eine unauffällige olivgrüne Färbung an.

Vorkommen: Sie ist eine ausgesprochene Pionierart - besiedelt frisch entstandene Gewässer früher Sukzessionsstadien. Die meist flachgründigen Kleingewässer mit wenig oder gar keiner Vegetation erwärmen sich sehr stark, so dass die Kleine Pechlibelle eine zweite Jahresgeneration hervorbringen kann. Daher ist die Flugzeit von Anfang Mai bis in den September auch recht lang; ein Individuum lebt normalerweise etwa vier bis sechs Wochen.

Flugzeit: Anfang Mai bis Ende September

Die Kleine Pechlibelle wurde in Grevenbroich an 2 Gewässern gefunden.

Becher-Azurjungfer (Enallagma cyathigerum)

Kennzeichen: Länge 30-35 mm; Spannweite bis 45 mm. Männchen blau-schwarz gefärbt, auf dem 2 Hinterleibssegment mit schwarzer Zeichnung, die an einen gestielten Becher erinnert.

Vorkommen: An vielen Gewässertypen, bevorzugt an großen Stillgewässern und Baggerseen, möglichst mit Schwimmblattvegetation. 

Wissenswertes: Die Weibchen gehen bei der Eiablage oft unter Wasser, dabei koppeln sich die Männchen ab.Nach dem Auftauchen wird das Weibchen erneut vom Männchen gepackt; gemeinsam fliegen sie zum nächsten Eiablageplatz. Die Männchen sitzen gern an senkrecht aus dem Wasser emporwachsenden Pflanzenstengeln, hierbei heben sie sich fast rechtwinklig von der Sitzunterlage ab, so dass sie oft schon aus größerer Entfernung zu identifizieren sind. Die Larve wirkt auffallend transparent. Die Kiemenblättchen sind breit, hinten zugespitzt und oft mit schwachen, dunklen Querstreifen in der Spitzenhälfte gezeichnet. Die Beinringe sind schwächer ausgeprägt, als bei der Großen Pechlibelle, aber immer noch sichtbar.

Flugzeit: Anfang Mai bis Ende September

Die Becher-Azurjungfer wurde in Grevenbroich an 8 Gewässern in z.T. hohen Stückzahlen gefunden.

Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus)

tl_files/Libellen Homepage/Westliche_Keiljungfer_L_Menzel.jpgWestliche Keiljungfer, beobachtet am Neurather See von Lothar Menzel

Kennzeichen: Spannweite 60 – 70 mm, viel schlanker als die Gemeine Keiljungfer, Hinterleib spitz auslaufend und nicht verbreitert. Die Grundfärbung ist gelblich bis (im Alter) grau – oliv. Die Larve ist stark abgeflacht, der Hinterleib endet in einer deutlich ausgezogenen Spitze. Gemeinsames Merkmal aller Flussjungfern sind die getrennten Augen, hieran lassen sie sich sicher erkennen. Sie besitzen eine ausgedehnte dunkle Zeichnung und gelb-schwarz gestreifte Beine. Direkt nach dem Schlupf ist die westliche Keiljungfer noch hellgrün und damit im Gras fast unsichtbar; erst nach einigen Stunden wandelt sich der Grünton in ein Gelb um. Über den gesamten Hinterleib zieht sich ein heller Streifen, eingebettet in eine schwarze Grundfärbung. Sie besitzt eine Flügelspannweite von 6 – 7 cm. Die blauen Augen wirken blasser als bei anderen Flußjungfer-Arten.

Flugzeit: Anfang Mai bis Mitte August

Vorkommen: Vorwiegend an klaren, kiesigen Seen, besonders in Flußtälern an Baggerseen. Die Art hat sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet. Die westliche Keiljungfer ist als einzige Flußjungfer nicht gefährdet. Sie kommt vor allem im wärmeren Süd-Westeuropa vor. Größere Teiche und Seen, sowie seltener Flüsse oder breite Bäche werden von ihr besiedelt. Inzwischen ist sie in Westeuropa an den meisten Baggerseen heimisch und breitet sich Richtung Norden aus. Typische Biotopmerkmale sind sonnenbeschienene Gewässer mit breiten Sand oder Kieszonen im Uferbereich. Damit ist sie die einzige Flussjungfer, die gut an nicht schnell fließende Gewässern angepasst ist. Vor gut 100 Jahren war sie in Deutschland noch nicht heimisch. In den von ihr besiedelten Gebieten gehört sie binnen weniger Jahre meist zu den häufigeren Libellenarten. Dies sollte jedoch nicht verschleiern, dass sie in ihren eigentlich heimischen Biotopen, den Flüssen, kaum noch vorkommt. Aufgrund der Bindung an breite Fließgewässer dringt die westliche Keiljungfer nur selten in höhere Lagen vor. Zwischen Mai und August kann man sie fliegen sehen. Sie gehört damit zu den früh fliegenden Großlibellen. Ihre Hauptschlüpf- und Hauptflugzeit liegt im Juni. Die Paarung findet meist in sonnigen Wiesen statt und die Paarungsräder hängen im hohen Gras oder Bäumen. Das Weibchen legt die Eier allein ab. Die Eier werden in großem Abstand auf der offenen Wasseroberfläche abgelegt; vergleichbar mit dem großen Blaupfeil.Die Eier besitzen eine gallertartige Haftschicht, mit der sie sich an das vorhandene Substrat binden.Die Larven sind meist nachtaktiv und vergraben sich tagsüber im Schlamm, hierdurch sind sie vor ihren stärksten Fressfeinden, den Fischen, geschützt. In Südeuropa überleben die Larven auch die Austrocknung von Gewässern. Die Larven benötigen ca. 2-4 Jahre zu ihrer vollständigen Entwicklung, dabei halten sie sich meist im flachen Bereich der Gewässer auf, nur selten leben sie in mehr als 1 Meter Tiefe. Ihre Hauptwuchszeit liegt zwischen Mai und Oktober. Der Schlüpfvorgang läuft sehr schnell ab, nach meist weniger als 30 Minuten startet die westliche Keiljunger aus dem ungeschützten Uferbereich ihren Jungfernflug in benachbarte Wiesen oder Bäume, um dort innerhalb weniger Stunden auszuhärten.

Wissenswertes: Das Weibchen legt wie alle Keiljungfern die Eier im freien Flug über das Wasser mit wippenden Flugbewegungen ab. Die westliche Keiljungfer ist kein Ansitzjäger, sie erbeutet ihre Opfer aus dem Flug. Allerdings sitzt sie häufig im Gras oder auf Wegen und sonnt sich. Da sie auf dem Boden gut getarnt sind, entdeckt man sie meist erst, wenn sie direkt vor einem auffliegen. Oftmals trifft man sie auch weiter vom Gewässer entfernt an, sie bevorzugt dabei sonnige Wiesen und Sandwege. Im hohen Gras ist sie ideal gefärbt und kaum zu entdecken. Sie besitzen keine Reviere die sie verteidigen; häufig sieht man auch einige Männchen gemeinsam in der Sonne sitzen. Ihre Beute sind sitzende oder niedrig fliegende Kleininsekten, welche sie mit ihrem kleinen Fangkorb greifen können. Wegen ihres eher unbeholfenen Fluges, werden sie häufig Opfer von Vögeln. Aufgrund ihrer geringen Fluchtdistanz fallen sie selbst Bachstelzen „zu Fuß“ zum Opfer. 

Die Art wurde in Grevenbroich am Neurather See kartiert.

Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus)

tl_files/Libellen Homepage/gem_keiljungferIMG_0005.jpgGemeine Keiljungfer in einem Garten an der Erft

Kennzeichen: Die Gemeine Keiljungfer ist eine gedrungene, kräftig gebaute Libelle mit einer Flügelspannweite von 6 bis 7 cm und einer Körperlänge von etwa 5 cm. Der für die Gattung namensgebende Keil ist eine Verdickung der letzten Segmente des Hinterleibs und nur bei den Männchen ausgeprägt. Ihre typische, gelb-schwarze Zeichnung stellt eine gute Tarnfärbung sowohl in der Vegetation wie auf dem Boden dar und macht die Art eigentlich unverwechselbar, auf den ersten Blick kann sie jedoch mit anderen, ähnlich gezeichneten Flußjungfern verwechselt werden. Nur bei dieser Art sind die Beine völlig schwarz gefärbt.

Flugzeit: April bis Juli

Vorkommen: Die Gemeine Keiljungfer besiedelt in erster Linie Fließgewässer des Tieflandes und der Ebene, von breiteren Bächen über Flüsse und Kanäle bis hin zu großen Strömen. Daneben werden aber auch die Uferbereiche von Seen und Abbaugewässern wie Baggerweiher als Lebensraum genutzt. Wichtigster Faktor für die Besiedlung aller Lebensräume stellt dabei relativ feines, meist sandiges oder schluffiges Substrat als Lebensraum für die Larven dar, auch sehr kleinräumig. Deutlich weniger wichtig dürfte der häufig genannte Faktor des bewegten Wassers für die Entwicklung der Art sein, da in sehenden Gewässern keineswegs nur Brandungsufer größerer Seen besiedelt werden. Bei Abbaugewässern scheint lediglich Grundwasseranschluss eine gewisse Bedeutung zu besitzen.

Wissenswertes: Nach dem Schlupf verlassen die jungen Imagines das Gewässer und verteilen sich während einer maximal zweiwöchigen Reifungsperiode im Umland, oftmals mehrere Kilometer vom Entwicklungsgewässer entfernt. Erst als geschlechtsreife, adulte Tiere sind sie wieder am Gewässer zu finden. Meist kann man dort jedoch nur die Männchen beobachten, die an Fließgewässern gerne Reviere von 10 bis 20 m Uferlänge besetzen, die von Bäumen oder Steinen aus auf der Ausschau nach Weibchen überwacht werden. Die Weibchen kommen nur zur Paarung und zur Eiablage ans Gewässer und sind entsprechend selten zu beobachten. Die Paarung ist langwierig und kann bis über eine Stunde dauern, die das Paarungsrad bewegungslos in der Vegetation versteckt in Gewässernähe verbringt. Anschließend fliegen die Weibchen allein zum Gewässer, wo sie im Sitzen mit angehobenem Hinterleib einen erbsengroßen Eiklumpen auspressen, den sie anschließend im Flug mit Wippbewegungen auf der Wasseroberfläche nach und nach abstreifen.

Die Art wurde in Grevenbroich mit wenigen Exemplaren sowohl im südlichen, als auch im nördlichen Kartierungsbereich der Erft nachgewiesen.

Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)

tl_files/Libellen Homepage/blaugrMosaikjungfer.jpgBlaugrüne Mosaikjungfer: Eiablage an einem Baumstumpf außerhalb des Wassers

Kennzeichen: Länge bis 80 mm; Spannweite bis 110 mm. Sehr groß, Männchen charakteristisch blau-grün-schwarze „Würfelfärbung“ (Mosaik), Weibchen ohne blau. Brust mit breiten grünen Seitenbinden. Die zigarrenförmige Larve weist deutlich vorquellende Augen auf. Sie kann sehr unterschiedlich gefärbt sein, von hellbraun bis fast schwarz. Meist sind in der Mitte der Hinterleibssegmente deutliche, dunkle Doppelflecke zu erkennen. Die Fangmaske ist schmal und langgestreckt. Zur Entwicklung werden meist 2 Jahre benötigt, in nahrungsreichen, warmen Jahren ausnahmsweise auch 1 Jahr.

Flugzeit: Mitte Juni bis Mitte November

Vorkommen: Weit verbreitet an allen Stillgewässern, bevorzugt aber an kleineren Gewässern, oft auch an Gartenteichen. Gelegentlich auch an langsam fließenden Gewässern

Wissenswertes: Die häufigste der 8 bei uns vorkommenden Arten der Gattung Aeshna. Nach dem Schlupf ab Mitte Juni zunächst mehrere Wochen fernab von Gewässern jagend, oft in Wäldern. Ab August zur Fortpflanzung wieder am Wasser. Die Weibchen legen ihre Eier ohne Begleitung des Männchens in Pflanzen oder Holzstücke, Baumwurzeln o.ä. ab. Die Larvenentwicklung dauert 2 Jahre. Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist schon wegen ihrer Größe eine der auffälligsten Arten und wurde an 8 Gewässern in Grevenbroich angetroffen.

Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea)

tl_files/Libellen Homepage/Torf-Mosaikjungfer_L_Menzel.jpgTorf-Mosaikjungfer im Flug fotografiert von Lothar Menzel

Kennzeichen: 7-8 cm lang, 10 cm Flügelspannweite. Auf dem Hinterleib blaue Flecken. Erst wenn das Tier fast ganz ausgefärbt ist, werden die Unterschiede zur Blaugrünen Mosaikjungfer deutlich. Das Abdomen ist schwarz mit blauen Flecken. Der Thorax ist braun und besitzt schmale gelbe Binden. Die Streifen auf dem Thorax (Antehumeralstreifen) sind sehr schmal, fast strichförmig. Die Weibchen haben durchgehend eine dunkelbraune Grundfärbung.

Flugzeit: Mitte Juni bis Mitte Oktober

Vorkommen: Hoch- und Flachmoore, aber auch andere stehende Gewässer mit Binsen oder Seggen.

Wissenswertes: Die Torf-Mosaikjungfer ist in Moorgegenden mit sauren Gewässern die häufigste Libelle der Familie Aeshnidae oder Edellibellen, wird jedoch nach neuesten Erkenntnissen immer seltener gesehen. An anderen Gewässern kommt sie seltener vor, wird allerdings auch meistens mit der am weitesten verbreiteten und häufigsten Blaugrünen Mosaikjungfer verwechselt. Das Weibchen legt die Eier in Torfmoos (Sphagnum), abgestorbene Äste, Wurzelwerk oder ähnliches Material im Wasser. Im folgenden Frühjahr schlüpfen die Larven.Die Gesamtentwicklungszeit dauert 3-4 Jahre. In Grevenbroich wurde die Torf-Mosaikjungfer lediglich im Jahre 2003 im Elsbachtal kartiert.

Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isoceles)

tl_files/Libellen Homepage/Keilfleck-Mosaikjungfer.jpgKeilfleck-Mosaikjungfer

Kennzeichen: Die Keilfleck-Mosaikjungfer erreicht Flügelspannweiten von 8,5 bis 9,5 Zentimetern. Sie ist im Vergleich zu den meisten anderen bei uns vorkommenden Mosaikjungfern etwas kleiner. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in der Färbung kaum. Durch die leuchtend grünen Augen und hell durchsichtigen Flügel unterscheiden sie sich gut von der in der Grundfarbe sehr ähnlichen Verwechslungsart, Aeshna grandis (Braune Mosaikjungfer). Des weiteren haben sie einen gelben keilförmigen Fleck auf der Oberseite des 2. Abdominalsegments, der dieser hübschen Edellibelle zu ihrem deutschen Namen verhalf.

Flugzeit: Mitte Mai bis Anfang August.

Vorkommen: Die Keilfleck-Mosaikjungfer besiedelt in erster Linie schilfreiche Altwasser, gelegentlich ist sie auch an langsam fließenden Bächen und Gräben zu finden.

Wissenswertes: Die Weibchen suchen das Wasser zur Paarung und zur Eiablage auf. Die Paarung beginnt über dem Wasser und endet im Geäst der Uferbäume. Die Weibchen stechen ihre Eier in schwimmende Pflanzenteile ein. Die Larven schlüpfen noch im selben Jahr etwa sechs Wochen nach der Eiablage. Je nach Umweltbedingungen dauert ihre Entwicklung ein oder zwei Jahre. In der Roten Liste der Libellen wird die Keilfleck-Mosaikjungfer als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Die Keilfleck-Mosaikjungfer wurde im Sommer 2011 erstmalig im Stadtgebiet von Grevenbroich an den Gewässern des Umweltzentrums am Schneckenhaus nachgewiesen.

Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta)

tl_files/Libellen Homepage/HerbstMosaikjungf.jpgHerbst-Mosaikjungfer

Kennzeichen:Länge bis 64 mm; Spannweite bis 85 mm. Kleinste bei uns vorkommende Mosaikjungfer, Brust braun mit gelben Seitenstreifen, Hinterleib schwarz, beim Männchen mit blauen, beim Weibchen mit gelben Seitenflecken. Männchen mit gelbem Dreieck auf dem Hinterleib zwischen den Flügelansätzen.

Flugzeit: Mitte Juli bis Mitte November

Vorkommen: An allen möglichen Stillgewässern vom Fischteich bis zum Moorsee, wenn ein gewisser Pflanzenreichtum mit Schilfgürteln gegeben ist.

Wissenswertes: Die Art erscheint als letzte der Mosaikjungfern und fliegt bis weit in den Herbst hinein, sogar noch nach den ersten Nachtfrösten. Die Tiere fliegen oft sehr hoch über ihrem Gewässer und werden dabei wie andere Großlibellen auch oft Beute von Baumfalken, die mit blitzschnellen und artistischen Flugmanövern auf die Libellen hinabstoßen. Die Larve ähnelt einer kleinen Larve der Blaugrünen Mosaikjungfer, jedoch sind die Seitendorne des 9. Hinterleibssegmentes länger. Auch ist die dunkle Fleckung der Hinterleibssegmente nicht so deutlich zu sehen. Die Färbung insgesamt geht etwas ins Rötliche. Die Art überwintert als Ei und entwickelt sich meist noch im Schlüpfjahr zum Vollinsekt. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Besiedlung alljährlich abgelassener Fischteiche.

An bislang 8 Gewässern wurde die Herbst-Mosaikjungfer in Grevenbroich kartiert.

Große Königslibelle (Anax imperator)

tl_files/Libellen Homepage/Koenigslibelle_comp.jpgGroße Königslibelle: Weibchen bei der Eiablage

Kennzeichen: Länge bis 80 mm; Spannweite bis 110 mm. Brustseiten blaugrün, Hinterleib blau mit schwarzer Längszeichnung, keine würfelförmige Zeichnung, wie bei den Mosaikjungfern. Thorax fast einfarbig grün. Vor den Augen findet Sich auf der grünen Stirn ein hellblauer Querstreifen und dicht dahinter ein kleines schwarzes Fünfeck. Larve zigarrenförmig und sehr groß, mit 55 mm Länge größer als die der Mosaikjungfern (ca. 50 mm). Die Augen sind sehr groß, die breiteste Stelle des Kopfes liegt deutlich hinter der Kopfmitte. ( bei Mosaikjungfern davor ). Kopf dadurch nach hinten breiter werdend.

Flugzeit: Anfang Juni bis Ende August

Vorkommen: Weit verbreitet in Europa, vor allem an nährstoff- und pflanzenreichen Weihern und Altwässern. Sie meidet aber austrocknungsgefährdete Kleingewässer.

Wissenswertes: Große Königslibellen sind tatsächlich die größten heimischen Libellen und die "Herrscher der Lüfte" über unseren Gewässern. Das besagt auch der wissenschaftliche Name (lat. anax=Herr, imperator = Herrscher). An warmen Sommertagen kann man die Männchen oft stundenlang über dem Wasser fliegen sehen, ohne daß sie sich einmal niedersetzen.

tl_files/Libellen Homepage/grkoenigslibelle.jpgMännliche Königslibelle über dem Gewässer

Die Weibchen werden bei der Eiablage nicht von den Männchen festgehalten. Sie setzen sich auf Wasserpflanzen, auch weit entfernt vom Ufer ( im Gegensatz zu Mosaikjungfern, die zur Eiablage immer die Uferpartien aufsuchen ) und stechen die Eier in dicke Stengel ein. Dabei tauchen sie mit dem Hinterleib unter Wasser. Mit den Flügeln balancieren sie Bewegungen der schwankenden Wasserpflanzen aus. Die Königslibelle ist eine der dominanten Arten, sie vertreibt auch andere Edellibellen meist aus ihrem Revier und frißt auch schwächere Arten.

In Grevenbroich wurde die Große Königslibelle an 9 Gewässern, allerdings in meist geringen Stückzahlen kartiert. Dies belegt die oben bereits angesprochene Dominanz und das Revierverhalten dieser Großlibellenart.

Gemeine Smaragdlibelle oder Falkenlibelle (Cordulia aenea)

tl_files/Libellen Homepage/Falkenlibelle_L_Menzel.jpgFalkenlibelle, Foto: Lothar Menzel

Kennzeichen: Spannweite 60 – 70 mm, Färbung dunkelgrün bis kupfern. Hinterleib beim Männchen deutlich keulenförmig verdickt, beim Weibchen gleichförmig zylindrisch, ohne sichtbaren Legebohrer. Larve untersetzt mit sehr langen, spinnenartigen Beinen und nur schwach ausgeprägten Rückendornen. Die Entwicklung zur Libelle dauert meist 2 Jahre.

Flugzeiten: Anfang Mai bis Mitte August

Vorkommen: Meist an kleineren, pflanzenreichen Teichen und Weihern, auch an extensiv bewirtschafteten Fischteichen. In der niederrheinischen Bucht als „gefährdet“ eingestuft lt. Rote Liste NW (Stand 01.10.98)

Wissenswertes: Die Männchen sind selten sitzend zu sehen, sie patroullieren die Ufer immer auf der Suche nach Beute oder paarungsbereiten Weibchen ab. Die Weibchen legen ihre Eier wie die Keiljungfern im Alleinflug mit wippenden Flugbewegungen über der Wasserfläche ab.

Die Gemeine Smaragdlibelle wurde bislang nur am Regenrückhaltebecken Neurath angetroffen.

Plattbauchlibelle (Libellula/Platetrum depressa)

tl_files/Libellen Homepage/Plattbauchmann.jpgPlattbauch-Libelle: Männchen

Kennzeichen:Länge 40-50 mm; Spannweite 70-80 mm. Hinterleib auffallend breit und abgeflacht, beim Männchen hellblau, beim Weibchen braun mit gelben Seitenflecken gefärbt. An der Hinterflügelbasis großer schwarzbrauner Fleck.Die Larve ist kurz und sehr kompakt, meist zur Tarnung vollkommen mit Schlamm bedeckt. Sie ist kurz und breit gebaut, der Kopf ist fast würfelförmig, mit dunklen Streifen hinter den Augen. Die Libellenlarven benötigen bis zu 2 Jahren für ihre Entwicklung zur Libelle, wobei sie sich im Winter und in Trockenperioden im Schlamm eingraben. Oft sind die Larven auch, vermutlich zur Tarnung in ihren wenig bewachsenen Entwicklungsgewässern, mit Schlamm bedeckt.

Flugzeit: Anfang Mai bis Mitte August

Vorkommen:Bevorzugt an Gewässern mit wenig Pflanzenbewuchs, bevorzugt an Lehmtümpeln, Sand- und Kiesgruben, deshalb häufig Erstbesiedler von neu angelegten Kleingewässern.

Wissenswertes: Als Ansitzjäger sind Plattbäuche leicht zu beobachten. Immer wieder setzen sie sich auf demselben Stein, Schilfhalm oder Ast am Ufer, von wo aus sie ihre Jagdflüge starten. Beutetiere werden im Flug mit den Beinen ergriffen und sofort verzehrt. Die Paarung des Plattbauches dauert nur sehr kurz (ca. 1 min) und ist entsprechend selten zu beobachten. Die befruchteten Eier werden vom Weibchen im Flug an bewachsenen Gewässerrändern abgeworfen. Das Männchen bewacht dabei das Weibchen aus der Luft. Eine Eiablage im Tandem, wie sie von anderen Libellen bekannt ist, findet bei den Plattbäuchen nicht statt. Nach ca. einem Monat schlüpfen die Larven.

Die Plattbauchlibelle wurde bislang an 6 Gewässern in Grevenbroich kartiert.

Spitzenfleck (Libellula fulva)

tl_files/Libellen Homepage/Spitzenfleck.jpgSpitzenfleck: Paarungsrad, fotografiert von Lothar Menzel am Neurather See

Kennzeichen: Der Spitzenfleck erreicht Flügelspannweiten von 7,5 bis 8 Zentimetern und gehört damit zu den mittelgroßen Libellen Mitteleuropas. Namengebend ist das eingefärbte Flügelende der Weibchen, das hingegen bei den Männchen manchmal weniger deutlich zu erkennen ist. Am Ansatz der Hinterflügel beider Geschlechter befindet sich je ein dreieckiger, schwarz-brauner Basalfleck. Der Spitzenfleck weist deutliche Geschlechtsunterschiede bezüglich der Körperfärbung auf. Junge Weibchen haben einen leuchtend orangefarbenen Körper, dessen Hinterleib oberseits schwarze, zum Brustkorb hin sich verjüngende Dreiecke aufweist. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Körperfärbung zu einem dunkleren Braun-Orange mit vergleichbaren, aber etwas ausgeprägteren Dreiecken oben auf dem Abdomen. Im Gegensatz zum Weibchen besitzt das ausgefärbte Männchen einen deutlich blau bereiften Körper bei ansonsten ebenfalls brauner Körperfärbung. Die letzten drei Segmente des Abdomens sind schwarz-braun gefärbt. Junge Männchen ähneln dagegen eher noch den braun-orangen Weibchen.

Flugzeit: Mai bis Juni

Vorkommen: Vor allem an stehenden und langsam fließenden Gewässern mit Schilfbeständen an den Ufern zu finden, wobei die Gewässer vegetationsreich und sonnenbeschienen sein sollten.

Wissenswertes: An sonnigen Vormittagen findet man zuerst die Männchen, die als Ansitzjäger Sitzwarten mit freiem Blick auf das Gewässer aufsuchen und zudem gegen arteigene oder artfremde Rivalen ihr Revier verteidigen. Die Weibchen erscheinen im Gegensatz zu den Männchen erst in der Mittagszeit, so dass Paarungen erst am späten Mittag beobachtet werden können. Der Spitzenfleck wurde am Neurather See kartiert.

Vierflecklibelle (Libellula quadrimaculata)

tl_files/Libellen Homepage/Vierfleck_L_Menzel.jpgVierfleck beim Sonnenbad, Foto Lothar Menzel

Kennzeichen: Länge bis 50 mm; Spannweite bis 85 mm. Eindeutig gekennzeichnet durch ein dunkles Flügelmal und durch einen dunklen Fleck an jedem Flügelvorderrand (Name!). Beide Geschlechter gleichen sich in der Färbung. Der etwas abgeflachte Hinterleib ist an den Seiten der Segmente 3 bis 8 mit schmalen gelben Flecken gezeichnet. Die Hinterflügel haben einen großen schwarzen Fleck an der Basis.

Vorkommen: Holarktisch verbreitet, im Mittelmeerraum nur sehr lokal vorkommend. Lebt an pflanzenreichen Stillgewässern, ist aber in Mooren besonders häufig.

Flugzeit: Anfang Mai bis Mitte August

Wissenswertes: Einer der häufigeren Vertreter der Familie der Segellibellen (Libellulidae). Zur Namensgebung haben die Flecken am Vorderrand der Flügel beigetragen. Kommt es zur Massenentwicklung, können Wanderschwärme aus Tausenden von Tieren entstehen, die Hunderte von Kilometern fliegen. Die entkräfteten Libellen werden dann häufig von Vögeln gefressen. Als Auslöser für die Wanderungen wird ein parasitischer Saugwurm (Prostogonimus oratus) vermutet, für den die Libellen Zwischenwirt, die Vögel aber Endwirt sind. Die Art führt ihre nur wenige Sekunden dauernde Paarung ausschließlich im Flug durch. Sofort nach der Paarung beginnt das Weibchen alleine mit der Eiablage im Flug über der Wasserfläche. Die Larve ähnelt der Plattbauch-Larve, ist aber etwas länglicher und trägt eine deutliche schwarze Maske zwischen den Augen. Zur Entwicklung werden 2 Jahre benötigt, die 2. Überwinterung erfolgt im letzten Larvenstadium.

Die Art wurde in Grevenbroich an 5 Gewässern nachgewiesen

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

tl_files/Libellen Homepage/Grosser_Blaupfeil_L_Menzel.jpgGroßer Blaupfeil, fotografiert von Lothar Menzel

Kennzeichen: Länge 45-50 mm; Spannweite 75-90 mm. Männchen mit braunem Thorax und hellblauem Hinterleib, letzte Segmente schwarz, Weibchen gelb- bis braunschwarz. In Färbung und Größe an den Plattbauch erinnernd, jedoch ohne Flecken an der Flügelbasis. Hinterleib deutlich schmaler als beim Plattbauch, beim Weibchen ist der Hinterleib gelbbraun mit 2 parallelen schwarzen Längsbinden.

Flugzeit: Mitte Mai bis Ende September

Vorkommen: Eine häufige Art, die bevorzugt an Gewässern mit vegetationsarmen Ufern und nicht zu stark bewachsenen Wasserflächen lebt.

Wissenswertes: An offenen Stellen in Ufernähe kann man die Männchen häufig auf dem Boden oder auf Steinen sitzen sehen, oft auch auf Wegen, weitab von Gewässern. Auch das Paarungsrad lässt sich während der 10 – 15 minütigen Paarung meist am Boden beobachten. Bei der Paarung kratzen die Weibchen mit der Zeit die blaue Bereifung der letzten Hinterleibssegmente ab, so dass schon oft verpaarte Männchen nur noch auf den vorderen Segmenten die blaue Färbung behalten. Die männlichen Tiere verteidigen Reviere von 10-50m Uferlänge. Die Eiablage erfolgt immer ohne Begleitung durch das Männchen, das Weibchen fliegt alleine über das Brutgewässer und wirft die Eier mit wippenden Bewegungen des Abdomens ab.

An bislang 6 Gewässern wurde der Große Blaupfeil in Grevenbroich kartiert.

Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens)

tl_files/Libellen Homepage/Kl.Blaupfeil.jpgKleiner Blaupfeil, Foto: Lothar Menzel

Kennzeichen: Männchen besitzen einen dunkelbraunen Thorax mit graugelben Streifen auf der Oberseite der Mittelbrust. Das Abdomen ist blau bereift. Junge Männchen und Weibchen sind leuchtend gelbbraun gefärbt, alte Weibchenbesitzen eine dunkel olivbraune Farbe. Flügelspannweite 6-7 cm. Der Kleine Blaupfeil ähnelt dem Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) und dem südlichen Blaupfeil (O. brunneum), kann aber leicht an der Flügeladerung von diesen beiden Arten unterschieden werden. Zwischen Radialschaltader und unterstem Radiusseitenast nur eine einfache Zellreihe.

Flugzeit: Mitte Mai bis Ende September

Vorkommen:Der Kleine Blaupfeil entwickelt sich in kleinen Fließgewässern bis hin zu kleinsten Quellrinnsalen. Die Art ist also recht anspruchsvoll und spezialisiert und daher bei uns selten.

Wissenswertes: Die Art lebt an Quellaustritten und schmalen, langsam fließenden Bächen und Gräben sowie an Hangquellmooren. Die Imagines fliegen bei uns von Ende Mai bis August. Die Paarung beginnt im Flug und wird sitzend beendet. Die Weibchen streifen die Eier an der Wasseroberfläche ab. Die Männchen halten sich zur Eiablage in der Nähe der Weibchen auf und vertreiben andere Männchen. Die Larven leben auf dem Grund der Gewässer, gern in extrem flachem Wasser. Die Entwicklung soll 2 Jahre dauern. Der Kleine Blaupfeil ist bei uns stark gefährdet.

An bislang 2 Gewässern im Elsbachtal und auf der Gustorfer Höhe wurde der Kleine Blaupfeil in Grevenbroich kartiert, beide Meldungen stammen von der Fa. Rheinbraun.

Feuerlibelle (Crocothemis erythrea)

tl_files/Libellen Homepage/Feuerlibelle.jpgFeuerrot: die Feuerlibelle

Kennzeichen: Körperlänge 40 – 45 mm, Spannweite 60 – 65 mm. In der Körperform durch das verbreiterte Abdomen sehr ähnlich den Blaupfeil-Arten, Männchen aber intensiv rot gefärbt, Weibchen hellbraun bis gelb, dadurch eher Ähnlichkeit mit den Heidelibellen. Beim geschlechtsreifen Männchen ist aber der gesamte Körper einschließlich Augen, Stirn und Thorax leuchtend feuerrot. Die Hinterflügel weisen bei beiden Geschlechtern einen großen, die Vorderflügel jeweils einen kleinen gelben Basisfleck auf.

Vorkommen: An warmen stehenden und langsam fließenden Gewässern, in Mitteleuropa an Altwassern und Kiesgruben. Erscheint als Wanderlibelle immer häufiger nördlich der Alpen.

Wissenswertes: Die Feuerlibelle, wie auch einige andere Segellibellen nehmen bei starker Sonneneinstrahlung die sogenannte Obeliskenstellung ein, wobei die Hinterleibsspitze direkt in die Sonne zeigt. Hierdurch vermeiden sie eine zu starke Aufheizung des Körpers. Die Feuerlibelle ist eine ausgesprochene Wanderlibelle und fliegt in warmen Sommern zahlreich aus dem Mittelmeerraum hier ein. Am Oberrhein wird sie bereits seit den 80-iger Jahren in ununterbrochener Folge beobachtet, so dass man hier wohl bereits von einer heimisch gewordenen Art sprechen muss.Die Larve ist denen der Heidelibellen sehr ähnlich. Ihr Kopf ist wie bei diesen hinter den Augen stark verschmälert. Die Entwicklung dürfte in unseren Breiten 1 Jahr dauern, wogegen in den Mittelmeerländern durchaus 2 Jahresgenerationen möglich sind.

Flugzeit: Anfang Juli bis Ende Oktober

Die Feuerlibelle wurde in Grevenbroich seit dem Jahre 2000 an 3 Gewässern nachgewiesen.

Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae)

tl_files/Libellen Homepage/Schwarze_Heidelibelle_m_L_Menzel.jpgMännchen der Schwarzen Heidelibelle, beobachtet von Lothar Menzel

Kennzeichen: Länge bis 35 mm; Spannweite bis 55 mm. Männchen im geschlechtsreifen Zustand als einzige Heidelibelle ganz schwarz gefärbt, nur an den Thoraxseiten sind helle Schrägstreifen zu erkennen. Weibchen (wie auch noch nicht ausgefärbte Männchen) gelbbraun mit schwarzer Unterseite des Hinterleibes, im Alter wird es mehr graubraun.

tl_files/Libellen Homepage/Schwarze_Heidelibelle_w_L_Menzel.jpgWeibchen mit Legebohrer, Foto Lothar Menzel

Das Weibchen hat als einzige der Sympetrum – Arten mit schwarzen Beinen einen deutlich abstehenden Legebohrer.

Flugzeit:Juli bis November

Vorkommen: In den gemäßigten Zonen der Paläarktis weit verbreitet. An kleineren stehenden pflanzenreichen Gewässern, besonders in Kiesgruben und Moorgewässern. Die Larve ist auffallend klein und zierlich. Ihr fehlt der Dorsaldorn auf dem 8. Segment, die Lateraldorne der Segmente 8 und 9 sind sehr kurz.

Wissenswertes: Die Art kommt an den verschiedensten Stillgewässern vor, besonders häufig aber an pflanzenreichen Moorgewässern. Hier löst sie im Spätsommer und Herbst die Kleine Moosjungfer als häufigste Großlibellen-Art ab. Die Tiere kann man sehr gut beobachten, wenn sie sich z.B. auf Steinen sonnen. Nach dem Schlüpfen halten sich die Tiere erst abseits vom Wasser auf. Nach etwa 2 Wochen kehren sie dorthin zurück, um sich zu paaren. Die Eier werden in unter dem Wasser flutenden Pflanzen "geworfen". In manchen Jahren neigt die Art zu einer noch unerklärlichen Massenvermehrung.

Flugzeit: Anfang Juli bis Mitte November.

In Grevenbroich wurde die Schwarze Heidelibelle in den Gewässern des Elsbachtales kartiert.

Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum)

Kennzeichen: Die Gefleckte Heidelibelle gehört mit 30 – 35 mm Körperlänge zu den kleineren Heidelibellenarten. Die Beine sind nicht schwarz, sondern gestreift. Spannweite 50 – 60 mm, Flugzeit Juni bis September. Flügel, besonders die hinteren, an der Basis mit unterschiedlich ausgedehntem gelben Fleck.

Flugzeit: Anfang Juni bis Ende August.

Vorkommen: An stehenden Gewässern mit schwankendem Wasserspiegel, z.B. Überschwemmungstümpel in Mooren und Flußauen.

Wissenswertes: Die Schlupfgewässer dieser Art sind zur Flugzeit meist im Austrocknen begriffen oder bereits trocken, daher findet sich diese Art oft in völlig trockenen Gebieten, wie z.B. Getreideflächen o.ä. Hier legen die Tiere ihre Eier über trockenen Schlammflächen ab, wo das Gelege trocken überwintert. Werden die Flächen im Frühjahr durch Schmelz- oder Regenwasser wieder überstaut, schlüpfen die Larven und entwickeln sich in 2 – 3 Monaten zum Vollinsekt. Die Larve ist kleiner und zierlicher, als bei den übrigen Heidelibellen.

Die gefleckte Heidelibelle wurde am Regenrückhaltebecken Neurath und im Jahre 2003 durch Rheinbraun an den Bio-Teichen Neurath festgestellt.

Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii)

tl_files/Libellen Homepage/fruehe Heidelib.jpgFrühe Heidelibelle

Kennzeichen: Die Frühe Heidelibelle fällt im männlichen Geschlecht durch die rote Flügeladerung auf. Bei beiden Geschlechtern ist die Augenunterseite hellblau gefärbt. Das Abdomen ist leuchtend rot. Auch die Flügeladerung nahe der Basis ist rot. Der Thorax ist braun. Ein sicheres Erkennungszeichen sind die orangeroten Flügelmale.

Flugzeit: Anfang Juni bis Mitte September.

Vorkommen: An stehenden Gewässern, vor allem auch künstlichen Abgrabungen und Kiesgruben mit spärlicher Vegetation.

Wissenswertes: Die Art neigt zu Wanderungen und breitet sich in warmen Sommern immer weiter nach Norden aus. Sympetrum fonscolombii ist im Mittelmeergebiet weit verbreitet. Bei uns tritt sie nur sporadisch an stehenden Gewässern mit schütterer Vegetation auf. Die Art kann zwei Jahresgenerationen durchlaufen. Ob die Nachkommen der Tiere, die im zeitigen Frühjahr bei uns einwandern, ins Mittelmeergebiet zurückwandern ist bislang nicht geklärt. Die "Frühe Heidelibelle" hat eine kurze Entwicklung. Innerhalb eines halben Jahres muss sie voll entwickelt sein. Wenn im frühen Frühjahr die Eier gelegt werden konnten, ist die Entwicklung im Herbst abgeschlossen. Eine spätere Eiablage ist in der Regel erfolglos. Die Gründe hierfür liegen in dem eigentlichen Verbreitungsgebiet, dem Mittelmeerraum. Kleine Wasserflächen sind häufig in kurzer Zeit ausgetrocknet. So hat sich die Libelle im Laufe ihrer Evolution diesen Gegebenheiten angepasst.

Die Frühe Heidelibelle wurde an 2 Gewässern im Stadtgebiet sicher nachgewiesen.

Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum)

Kennzeichen: Die Gebänderte Heidelibelle zählt mit Sicherheit zu den schönsten Großlibellen Deutschlands, nur ist sie leider nicht sonderlich häufig anzutreffen. Im Flug entsteht durch die Flügelbinde ein schwirrendes Bild, so dass es schwer ist, der Libelle mit dem Auge zu folgen. Das rote Abdomen, der braune Kopf und die braunen Flügelbinden, sowie die roten Flügelmale ergeben beim Männchen ein eindrucksvolles Bild. Das Weibchen ist eher unscheinbar gelbbraun. Auch sie besitzt braune bis ockerfarbene Flügelbinden. Die Flügelmale (Pterostigmen) sind rahmfarben. Der deutsche Name spiegelt das Aussehen der gebänderten Heidelibelle wieder. Der wissenschaftliche Name hingegen bezieht sich auf den ersten Fundort Piemont (früher Pedemontium). Ihre Beine sind schwarz und der Hinterleib bei den Männchen leuchtend rot. Der braune Brustkorb besitzt keine auffälligen Binden, wie bei der großen Heidelibelle. Die Flügelmale (Pterostigmen) sind rot gefärbt. Die Körperlänge beträgt ca. 35 mm bei einer Flügelspannweite zwischen 5 und 5,5 cm, damit gehört sie zu den kleineren Heidelibellenarten.

Flugzeit:Juli - Oktober

Vorkommen:Sie besiedelt kleine, stark bewachsene Stillgewässer, kommt aber auch in Kiesgruben vor und toleriert wohl auch eine schwache Strömung. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt mehr im Osten von Europa. In Deutschland gilt sie als gefährdet.

Wissenswertes: Durch ihre breiten Bänder in den Flügeln kann sie sicher von allen anderen Heidelibellenarten unterschieden werden. Aufgrund dieser Flügelbändern können sie sich gut im Umfeld auflösen und sind bereits im Flug schwer zu verfolgen. Dies ist auch notwendig, da sie häufig von anderen Großlibellen attackiert werden, selber jedoch kaum Revierkämpfe beginnen. Insgesamt sind sie deutlich weniger aggressiv als andere Heidelibellenarten. Ähnlich wie die Sumpfheidelibelle fliegt sie nicht gerade und schnell, sondern eher schaukelnd wie Schmetterlinge oder Prachtlibellen. Ihre aktivste Phase liegt zwischen 11:00h und 16:00h. Die Paarung und Eiablage konzentriert sich auf die Nachmittagsstunden. In den Ruhephasen ziehen sie sich in windgeschützte, feuchte oftmals halbschattige Habitate (z.b. Schilfgürtel, Lichtungen, Grabenböschungen) zurück. Zur Jagd beziehen sie niedrige Ansitze zwischen den Gräsern. Neue Habitate werden schnell entdeckt und besiedelt. Damit baut sie als Pionierart auch schnell größere Bestände auf. Hier spielt auch die sehr kurze Entwicklungszeit der Larven eine große Rolle.

Fortpflanzung und Entwicklung: Die Eiablage erfolgt direkt am Ufer über dem Wasser oder Schilfgürtel im Tandemflug. Die Eier überwintern. An trockenen Stellen können die Eier auch mehrere Jahre bis zur nächsten Überschwemmung überleben. Im Frühjahr schlüpfen die Larven. Die Entwicklung der Larven ist mit 30 – 60 Tagen relativ kurz, dabei durchlaufen sie ca. 10 Stadien. Die Larven leben zwischen Wasser- und Sumpfpflanzen, dabei graben sie sich nur selten in den Grund ein. Der Schlupf findet nur wenige Zentimeter vom Gewässer entfernt an Gräsern statt. Der Jungfernflug ist kurz und endet meist auf nahegelegenen Wiesen. Zur Reifung suchen sie höher bewachsene Wiesen oder Brachflächen auf. Die maximale Lebensdauer überschreitet einen Monat nicht. Die gebänderte Heidelibelle schlüpft zwischen Juli und September und fliegt bis Ende Oktober.

In Grevenbroich wurde die Gebänderte Heidelibelle in 2003 im Elsbachtal gefunden.

Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)

tl_files/Libellen Homepage/BLutrote Heidelibelle.jpgBlutrote Heidelibelle in "Obeliskenstellung" fotografiert von Lothar Menzel

Kennzeichen: Länge 35-40 mm; Spannweite 50-60 mm. Männchen leuchtend rot, Weibchen gelbbraun gefärbt ähnlich anderen Heidelibellen, die Beine einheitlich schwarz.

Flugzeit: Anfang Juli bis Ende Oktober.

Vorkommen: An Stillgewässern aller Art, auch an Gartenteichen; in Europa und Kleinasien.

Wissenswertes: Eine der häufigsten der insgesamt 11europäischen Arten der Heidelibellen.Mit Ausnahme der Schwarzen Heidelibelle ist der Hinterleib bei den Männchen immer rot gefärbt. Bei der hier beschriebenen Art ist zudem auch die Stirn rot gefärbt. Die Weibchen sind gelbbraun und nur schwer voneinander zu unterscheiden. Die Eier werden paarweise ( selten ins Wasser ) meist über feuchtem Boden mit geringer Vegetation am Ufer abgelegt. Dort überwintern sie trocken und werden erst im nächsten Frühjahr überflutet. Die Larve ist kurz und gedrungen mit breitem Kopf, die Zeichnung ist sehr variabel, meist sind sie auffallend gescheckt, es kommen aber auch einfarbige Exemplare vor. Sie schlüpfen im Frühjahr und entwickeln sich innerhalb von ca. 3 Monaten. Eine Unterscheidung der nahe verwandten Arten S. vulgatum, S. striolatum, S. meridionale und S. sanguineum ist nahezu unmöglich.

In Grevenbroich wurde die Blutrote Heidelibelle bislang an 4 Gewässern angetroffen.

Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum)

tl_files/Libellen Homepage/Grosse_Heidelibelle_L_Menzel.jpgGroße Heidelibelle, fotografiert von Lothar Menzel

Kennzeichen: Spannweite 55 – 60 mm, sehr ähnlich der Gemeinen Heidelibelle, jedoch endet bei der Großen Heidlibelle die Querbinde an den Augen. Auch sind am dunkelbraunen Thorax des Männchens deutliche gelb-weiße Querbinden zu erkennen, die der Gemeinen Heidelibelle fehlen. Das rote Abdomen endet zylindrisch und ist nicht verbreitert.

Flugzeit: Ende Juni bis Mitte November.

Vorkommen: An stehenden Gewässern, vor allem auch künstlichen Abgrabungen und Kiesgruben. Die Larve lässt sich nicht sicher von der Larve der Gemeinen Heidelibelle unterscheiden.

Wissenswertes: Die Art neigt zu Wanderungen und breitet sich in warmen Sommern immer weiter nach Norden aus.

Die Große Heidelibelle wurde an 6 Gewässern in Grevenbroich kartiert.

Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)

Kennzeichen: Spannweite 50 – 60 mm, Beine außen gelb gestreift, Stirn zwischen den Facettenaugen mit schwarzer Querbinde, die auch an den Augen ein Stück hinabläuft. Larve mit langen Seiten- und Rückendornen am Hinterleib.

Flugzeiten: Anfang Juli bis Ende Oktober.

Vorkommen: An stehenden Gewässern aller Art, besonders bevorzugt werden pflanzenreiche Kleingewässer.

Wissenswertes: Nach der Paarung, die am Boden stattfindet, öffnet sich das Paarungsrad und wie bei allen Heidelibellen findet die Eiablage paarweise im Tandemflug statt. Dabei wirft sich das Paar im Flug mit schwingenden Hinterleibsbewegungen nach vorn, so dass die Eier im Wasser oder auch am Ufer verteilt werden. Die Eier überwintern im Flachwasser oder auf dem Trockenen. Die Larve entwickelt sich nach etwa 3 Monaten zum Vollinsekt. Die Unterscheidung der Larven von den Larven der anderen Heidelibellenarten ist nahezu unmöglich.

Die Gemeine Heidelibelle wurde an 7 Gewässern im Stadtgebiet vorgefunden.

Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia)

tl_files/Libellen Homepage/Kl.Moosjungfer_7623.jpgKleine Moosjungfer, Foto: Lothar Menzel am 02.06.2012 am Neurather See

Kennzeichen: Die Grundfärbung der Libelle ist schwarz. Auf der Oberseite von Thorax und Abdomen sind beim Männchen leuchtendrote, beim Weibchen gelbe Flecken sichtbar. Das Flügelmal, ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber der ähnlichen Art "L. rubicunda", ist schwarz.

Flugzeit: Mitte Mai bis Ende August.

Vorkommen:Die kleine Moosjungfer bewohnt gemäßigte (boreale) Breitengrade. In Norddeutschland ist sie eine typische Moorlibelle. Dort ist sie eine der ersten Libellen im Frühjahr.

Wissenswertes: Die Kleine Moosjungfer ist auf den ersten Blick recht unscheinbar, da der Hinterleib dunkel gefärbt und nur wenige orange-rote Flecken aufweist. Sie schlüpft sehr früh im Jahr, teilweise bereits im April. Sie ist eine eigentlich eine Charakterart für torfmoosreiche Gewässer von Heiden und Nassen Hoch- und Übergangsmooren (Eiablageplatz), soll aber auch ihre Eier ohne Begleitung des Männchens in größeren naturnahen Gartenteichen abwerfen.

Die Kleine Moosjungfer wurde jeweils mit Einzelexemplaren im Elsbachtal und am Neurather See gefunden.

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