Flora

 

Orchideen in Grevenbroich:

Orchideen sind die am besten untersuchte Familie der Flora auf der Welt. Sie haben für den Naturschutz seit jeher einen hohen Stellenwert, sei es wegen ihrer Indikatorfunktion für die Qualität unserer Wälder, Gebüsche, Magerrasen, Sümpfe und Moore, ihrer Schönheit und Blütenvielfalt oder auch ihrer hochinteressanten Keimungs- und Bestäubungsmechanismen. Zur Erhaltung der heimischen Orchideen reicht die schützende Hand über der einzelnen Pflanze lange nicht aus, vielmehr ist der Schutz der z. T. sehr empfindlichen Lebensräume und eine naturschutzorientierte Nutzung und Pflege der Biotope erforderlich. Eine entscheidende Grundlage hierfür ist die detaillierte Kenntnis über das Vorkommen, die Verbreitung und die Populationsgröße der einzelnen Arten, möglichst bis auf die kommunale Ebene bezogen, da dort in der Regel die Ortsnähe gegeben und bei den Naturschutzbehörden die Fachkompetenz vorhanden ist, um Schutz- und Pflegemaßnahmen zu initiieren. Auf die Erfahrung vertrauend, dass man nur zu schützen bereit ist, was man kennt und von dessen Wert man überzeugt ist, soll im Folgenden ein Überblick über die Orchideen in Grevenbroich gegeben werden. Historisch sind leider keine Daten über Orchideenvorkommen im Gebiet der Stadt Grevenbroich vor 1970 bekannt. Seit Beginn der 70-iger Jahre des vorigen Jahrtausends sind dem Verfasser Bestände des Eiförmigen Zweiblatts im Bereich des Gustorfer Bends im Umfeld der Kaiserallee bekannt, die bis heute (2010) erhalten sind.

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Ebenfalls zu den Generalisten, jedoch noch weiter verbreitet als die vorgenannte Art, zählt die Breitblättrige Stendelwurz, deren Vorkommen seit dem Ende der 70-iger Jahre des vorigen Jahrtausends – zunächst an der Vollrather Höhe – bekannt ist.

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Seit dem Jahre 2000 ist der Standort einer seltenen Orchideenart, des Übersehenen Knabenkrautes, bekannt.

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Die Art ist an 3 Standorten im Stadtgebiet an der Königshovener Höhe, im Elsbachtal und im Bend nördlich von Grevenbroich mit einem der zahlenmäßig größten Standorte in NRW bekannt. Ebenfalls aus dem Jahr 2000 datiert der Fund einer landesweit sehr seltenen Orchideenart, der Bienenragwurz.

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Laut Literatur wächst diese Art in feuchten und trockenen Magerwiesen, auf Ödland und im lichten Gebüsch, jedoch ausschließlich auf kalkhaltigen Böden. Die Wuchsorte der Bienenragwurz befinden sich im Umfeld der Frimmersdorfer Höhe links- und rechtsseitig der Erft sowie im Umfeld der Königshovener Höhe mit über 600 Exemplaren an einem Wuchsort. Alle Ragwurz-Arten (Bienenragwurz, Fliegenragwurz, Hummelragwurz, Spinnenragwurz) haben ein ausgeklügeltes Insekten-Anlockungs-System: Die Blüte sieht für das jeweilige Insekt einem Geschlechtspartner so ähnlich, dass das Tier die Blüte anfliegt, sich an den beiden hochstehenden Höckern orientiert und versucht, mit der Blüte zu kopulieren. Dabei berührt es ganz nebenbei die Pollenpakete, die sich auf den Kopf des Insekts kleben. Bei dem nächsten vergeblichen Kopulationsversuch auf einer benachbarten Blüte wird der Pollen dann wieder abgestreift.

Aus dem gleichen Zeitraum resultiert ein weiterer „Sensationsfund“ im gleichen Bereich, die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), die wie die Bienenragwurz im Bereich der Frimmersdorfer und Königshovener Höhe vorkommt.

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Etwa seit 2002 sind auch Bestände des Gefleckten Knabenkrauts ( Dactylorhiza maculata )

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bekannt. Es handelt sich hierbei um die häufigste Knabenkraut-Art, obwohl auch hier regional ein starker Rückgang zu verzeichnen ist. Neue Populationen auf Rohböden vermehren sich häufig schnell, sind aber mit zunehmender Sukzession der übrigen Flora meist schnell wieder verschwunden. Wuchsorte dieser Art sind an der Erft zwischen der Stadtgrenze zu Bedburg in nördliche Richtung bis zur Ortslage Frimmersdorf zu finden. Darüber hinaus gibt es einen weiteren Vorkommensschwerpunkt auf der Königshovener Höhe.

Im Jahr 2003 wurde durch einen vegetationskundigen Spaziergänger auf ein Vorkommen des

Helmknabenkrautes ( Orchis militaris ) im Umfeld der Frimmersdorfer Höhe aufmerksam gemacht. Hier fanden sich neben einigen blühenden Pflanzen eine Vielzahl nicht (mehr) blühender Exemplare, so dass durch ein Auflichten des immer stärker werdenden Gehölzaufwuchses versucht wurde, dieser lichtliebenden Art die Lebensraumbedingungen etwas zu verbessern.

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2004 wurde der Fund einer Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea) auf der Königshovener Höhe gemeldet. Kurze Zeit vorher war bereits eine Fundmeldung dieser Art an der Frimmersdorfer Höhe eingegangen. Die Art ist nach Rote Liste landesweit als ausgestorben bzw. je nach Unterart (ssp conopsea oder densiflora) als stark gefährdet und von Naturschutzmaßnahmen abhängig, eingestuft.

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2005 wurde am Fuß der Königshovener Höhe ein kleiner Bestand des Langblättrigen Waldvögeleins (Cephalanthera longifolia) mit 7 Exemplaren gefunden. Es handelt sich hierbei um eine klassische Waldorchideenart, deren Lichtbedürfnis deutlich niedriger ist, als bei den vorgenannten Arten. Ein weiterer zahlenmäßig starker Wuchsort wurde an der Vollrather Höhe in einer aufgelichteten Forstfläche gefunden.

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Die Art gilt lt. Rote Liste in der Niederrheinischen Bucht als ausgestorben.

In 2007 wurde in einem Waldstück auf der Königshovener Höhe die Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens ), eine weitere Waldorchidee, mit einem größeren Bestand gefunden. Die Art gilt landesweit als gefährdet, in der Niederrheinischen Bucht als vom Aussterben bedroht.

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Ebenfalls in 2007 wurde in einem trockenen Wiesenbereich an einem Forstwirtschaftsweg der Königshovener Höhe als absolute Rarität die Bocks-Riemenzunge gefunden, eine weitere Art der Trockenrasenbiotope, die offensichtlich auf dem nährstoffarmen Boden der Rekultivierung entsprechende Wuchsbedingungen vorfindet. Der etwas seltsam anmutende Name resultiert aus einem intensiven Ziegenbockgeruch der blühenden Pflanze.

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Im Frühjahr 2010 wurde dann die letzte der bislang insgesamt 12 Orchideenarten im Stadtgebiet von Grevenbroich entdeckt. Das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) wächst in einem bereits älteren Rekultivierungsbereich der Vollrather Höhe in einem Bestand von weit über hundert Exemplaren nach einer Kontroll-Zählung im Frühjahr 2011.

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