Eisvögel

Eisvögel gelten seit Jahrzehnten im Bereich des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes als Synonym für eine intakte Gewässerlandschaft mit reichhaltiger Fischfauna, weitestgehend unverbauten Uferbereichen und hoher Gewässerstrukturgüte. Der Eisvogel ( Alcedo atthis ) gehört zur Ordnung der Rackenvögel und zählt zur Familie der Eisvögel mit insgesamt weltweit 86 Arten. Unser Eisvogel ist jedoch die einzige Art, die sich den klimatischen Gegebenheiten Mitteleuropas anpassen konnte. Er wird etwa 15 – 17 cm groß, hat eine Flügelspannweite von ca. 25 cm bei einem Gewicht von rund 40 g. Auffallend ist sein 4 cm langer Schnabel.

Seinen Namen verdankt der Eisvogel seinem schillernden blau-türkisfarbenen Rücken-, Schwanz- und Schwingengefieder, die Wangen, Brust und Bauch sind rötlich-braun. Eine andere Theorie zur Entstehung des deutschen Namens besagt, dass der Vogel immer wieder im Winter an den Löchern der Eisangler beobachtet wurde und auf diese Verhaltensweise begründet der Name entstand.

Die Füße sind bei den erwachsenen Vögeln rot. Beim männlichen Vogel ist der gesamte Schnabel schwarz, beim Weibchen ist die Basis des Unterschnabels orange gefärbt. Jungvögel sind an den grauen Füßen, der weißen Schnabelspitze und dem etwas blasseren Gefieder gut zu erkennen.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/eisvogel_jung.jpgJungvogel auf dem Gelände des Umweltzentrums

Als Jahresvogel bleibt er auch im Winter stets in der Nähe „seines“ Gewässers, das möglichst klar und reich an Kleinfischarten ( Moderlieschen, Stichlinge, bedingt auch Bitterlinge ), Fischbrut und Amphibien sein sollte. Die durch Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau künstlich erwärmte Erft und die von ihr gespeisten Nebengewässer kommen den Lebensraumansprüchen des Eisvogels daher vor allem im Winter sehr entgegen, da diese Gewässer nicht zufrieren. Ausgedehnte Flachwasserzonen, die ihm das Erspähen und Fangen seiner Beute erleichtern, und über das Wasser hängende Gebüsche, von denen aus er sich kopfüber ins Wasser stürzt, sind weitere bevorzugte Biotopmerkmale. Diese überhängenden Äste werden nach dem erfolgreichen Fischfang sofort wieder aufgesucht, um das im Schnabel zappelnde Fischchen auf dem Astwerk durch heftiges Kopfschütteln totzuschlagen und dann – mit dem Kopf voran – zu verschlingen.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Eisvogel mit Bitterling.jpgEisvogel mit Bitterling

Im Foto oben hat der Eisvogel einen Bitterling erbeutet, der zwar größenmäßig in sein Beutespektrum passt, aber durch seine hochrückige Körperform schwierig zu schlucken ist, weil er nicht durch den Schlund passt. Der Fisch wurde ca. 15 Minuten lang immer wieder auf den Ast geschlagen, bis er offensichtlich so weich geklopft war, dass er letztendlich verschlungen werden konnte.

Das Fressen der bis zu 6 cm langen Beute geschieht grundsätzlich mit dem Kopf voran, um Verletzungsgefahren durch Flossenstrahlen oder Schluckhemmnisse durch abgespreizte Flossen zu umgehen. Immerhin braucht ein erwachsener Eisvogel ca. 8 – 10 Fischchen von der Größe eines Moderlieschens oder 20 Gramm Nahrung am Tag, um seinen Energiebedarf zu decken.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/eisvogel_fisch.jpgEisvogel Mühle Kamper

Als ebenfalls willkommene Nahrung werden auch Molche und deren Larven, kleine Frösche und Kaulquappen oder auch die Larven von Großlibellen nicht verschmäht.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/IMG_8462.jpgEisvogel mit Molchlarve

Die unverdaulichen Nahrungsbestandteile aus Schuppen, Gräten und Chitin werden als etwa 1,5 cm lange, ovale Speiballen wieder ausgewürgt.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/speiballen.jpgAuswürgen eines Speiballens

tl_files/Eisvogel bienenfresser/gewoelle2.JPGSpeiballen mit Gräten und Fischschuppen

Der Eisvogel wird bereits nach 7 Monaten geschlechtsreif und brütet in der Zeit zwischen April und September (in günstigen Jahren) bis zu 3 mal. Hierzu werden steile Uferabbrüche in kiesig-lehmigen Böden in Gewässernähe aufgesucht, in die eine bis 1 m lange Niströhre mit anschließendem Brutkessel gegraben wird. Die Eisvögel stehen hierbei ähnlich einem Kolibri im Rüttelflug vor der Steilwand und picken erste Erdbröckchen locker. Sobald die Vögel eine Sitzmöglichkeit geschaffen haben, wird das Erdreich im Sitzen mit dem Schnabel weitergelockert und mit den Füßen nach hinten aus dem Gang befördert. Häufig werden auch Brutröhren aus Vorjahren genutzt und ausgebaut. Das Einschlupfloch der Niströhre ist etwa 7 cm hoch und oval. Die Röhre steigt sanft in einem Winkel von ca. 30 ° an und mündet in einen ca. 20 cm durchmessenden Brutkessel. Oftmals unterliegen Eisvögel an ihrer Brutröhre auch der Konkurrenz anderer Vogelarten, so sind z.B. bei uns Fälle bekannt, in denen Kohlmeise und Zaunkönig die Niströhren nutzten oder auch große Wegschnecken sich ihre Tagesschlafplätze in den Röhren suchten und so die Brut unterbunden haben.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Kohlmeise.jpgKohlmeisenbrut in der Eisvogelbrutröhre

Ist der Brutplatz fertiggestellt, beginnt das Männchen mit der sogenannten Balzfütterung, wobei es sich dem Weibchen mit einem Fisch im Schnabel und hängenden Flügeln nähert. Der Kopf des "Fischgeschenkes" weist dabei zur Schnabelspitze des Männchens hin, er wird also dem Weibchen bereits schnabelgerecht zum Verschlucken präsentiert.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/300_6151 (2).jpg"Fischgeschenk" des Männchens

Hat das Weibchen die Werbung des Männchens akzeptiert, erfolgt kurz darauf die Paarung unter intensivem Rufkontakt der beiden Vögel.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Eisvogel Paarung.jpg Paarung im Ufergebüsch

Nach 19 - 21 Tagen schlüpfen aus den 6 – 7 weißen Eiern, die von beiden Eltern bebrütet werden, die Jungvögel. Die Nestlingsdauer beträgt 23 – 27 Tage. Während dieser Zeit wird die Brut von beiden Altvögeln mit kleinen Fischen, Kaulquappen, Molchen, Wasserinsekten und deren Larven gefüttert. Die Fütterung findet in, nach menschlichen Maßstäben gesehen, sehr kultivierter Form statt. Im Brutraum bilden die Jungvögel eine Reihe, wobei der am Nistgang sitzende Jungvogel gefüttert wird, dort seinen sehr flüssigen Kot in Richtung Röhrenausgang abgibt und sich dann wieder hinten einreiht.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Junge in Hoehle1.jpgJungvögel in der Brutröhre

Durch die Kotabgabe Richtung Röhrenausgang entstehen auch die typischen "Rotznasen" am Einflugloch durch herablaufenden Kot, die als Indiz für eine erfolgreiche Brut gewertet werden können.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/brutroehreneurathersee0011.jpgNatürliche Brutröhre mit Kotspur

Die flüggen Jungvögel werden auch außerhalb der Nisthöhle noch einige Tage gefüttert, danach werden sie von den Alttieren vertrieben.

tl_files/Eisvogel fuettert.jpgFütterung des Jungvogels außerhalb der Nistkammer

Die Jungvögel haben in dieser Zeit noch nicht das stark schillernde Gefieder der Altvögel, sie sind deutlich am „verdreckt“ wirkenden Federkleid, den dunkelgrauen Füßen und einer weißen Schnabelspitze zu erkennen.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/IMG_1476.jpgoben: Altvogel, unten: Jungvogel

Außerhalb der Brutzeit verhalten sich Eisvögel sehr zänkisch und verteidigen ihr Nahrungsrevier standhaft gegen Nahrungskonkurrenten der eigenen Art, auch ihre potenziellen Geschlechtspartner werden nicht geduldet.

Neben der massiven Zerstörung ihrer Lebensräume durch Gewässerausbau, Gewässerverschmutzung und Störungen am Brutplatz spielt leider auch immer wieder Vandalismus eine Rolle, wie die unten stehenden Abbildungen aus dem Frühjahr 2011 zeigen. Die vordere Nistwand der künstlich angelegten Brutröhre wurde dabei abgebrochen, der auf den Eiern sitzende weibliche Vogel wurde durch einen Ast aufgespießt und getötet.

tl_files/RT a11.jpgAbgebrochene Vorderwand der Kunsthöhle

tl_files/RT a3.jpgAufgespießter weiblicher Vogel

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Eisvogelstoerung.jpgStörung durch Kanuten unmittelbar am Brutplatz

In früheren Jahren wurde der Eisvogel als Fischereischädling auch aktiv und legal durch den Menschen verfolgt und mit Schlagfallen und Abschuss getötet.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Auszug_Fischereipruefung_NRW_1970.jpgAuszug aus der Fischerprüfung 1970, NRWtl_files/Eisvogel bienenfresser/Falle_Eisvogel.jpgProspekt eines Fallenhändlers in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts

Darüber hinaus sind die Eisvogelbestände gefährdet durch Fressfeinde (Greifvögel, Ratten, Marder), Hochwasser, Höhleneinbrüche sowie Erfrieren oder Verhungern im Winter, so dass die Sterblichkeitsrate in ungünstigen Jahren bei 80% des Bestandes liegen kann.

tl_files/Mauswiesel.jpgAuch Marderartige, wie das hier abgebildete Mauswiesel, dringen in ungünstig gelegene Brutröhren ein und fressen die Brut

Die obigen Angaben zur Ökologie des Eisvogels sind natürlich Daten, die aus der Erfahrung heraus grundsätzlich in den meisten Fällen zutreffen, wo wir die Vögel in ihren Brut- und Nahrungsräumen beobachtet haben. Allerdings gibt es auch Ausnahmen von diesen Grundsätzen, wo z.B. nicht genügend überhängende Äste als Ansitze für die Jagd vorhanden sind, haben Eisvögel auch den Rüttelflug - ähnlich dem der Turmfalken - für sich entdeckt und stehen in der Luft auf der Stelle, um sich dann auf die erspähte Beute zu stürzen.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Eisvogel Ruettelflug.jpgEisvogel im Rüttelflug

Auch das Fehlen von Uferabbrüchen muss nicht unbedingt zum KO-Kriterium für Eisvogelbruten werden. Wenn die sonstigen Lebensraumansprüche realisiert sind, nimmt der Eisvogel auch künstliche Nisthilfen in unterschiedlichster Form an. Ein extremer Versuch wurde durch engagierte Naturschützer am Gillbach gestartet, indem einfach eine Mauer durchgebohrt und hinter dem Bohrloch eine Kunsthöhle angebracht wurde.

tl_files/Eisvogel bienenfresser/Eisvogel Mauer1.jpg

Bereits kurze Zeit später wurde der Brutplatz angenommen! Um Eisvögel zu beobachten ist es am sinnvollsten, sich mit dem schrillen Ruf des Vogels, ähnlich einem langgezogenen Pfiff, vertraut zu machen, da er diesen als Revierabgrenzung sehr oft im An- und Abfliegen erklingen lässt. Hört man diesen Ruf, ist es viel leichter, die Richtung, aus der er meist flach über das Wasser fliegend ankommt, auszumachen. Auch sollte man sich die Ansitzplätze von einmal beobachteten Eisvögeln im überhängenden Gebüsch möglichst merken, da diese regelmäßig immer wieder genutzt werden.

 

Das Aufkommen der Eisvögel in Grevenbroich ist erst in den letzten 30 Jahren wieder festgestellt worden. Mitte der 80–er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden sporadisch mehrmals einzelne Eisvogelbeobachtungen gemeldet, jedoch ohne Hinweise auf Daueraufenthalte oder gar Brutverdacht. In 1989 wurde erstmals ein Paar im Winter festgestellt, das offensichtlich dauerhaft die Gewässer im Umfeld des Fischlaichgewässers „Im Stump“ sn der Erft in Gustorf anflog. Auf einer Insel im Flusslauf auf der Ostseite war bei einem Sturm eine Pappel umgekippt, wobei der Wurzelteller nach dem Entfernen des Baumstammes hochgeklappt stehenblieb. Im Erdreich des nahezu senkrecht stehenden Wurzeltellers fand in diesem Jahr die 1. Eisvogelbrut im südlichen Stadtgebiet von Grevenbroich statt.

Seitdem sind in Grevenbroich insgesamt 14 Brutplätze dieser bunten Vogelart bekannt geworden, die auch recht regelmäßig bebrütet werden.

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