Bienenfresser
Der Bienenfresser ist bei uns sehr selten, in Südeuropa ist er regelmäßig anzutreffen. Allerdings hat es in den letzten Jahrzehnten in Europa eine Ausdehnung des Verbreitungsgebietes nach Norden gegeben, die mit Klimaveränderungen in Zusammenhang gebracht wird. Seit Ende der 90-er Jahre wird von einem Brutvorkommen am Kaiserstuhl mit mehr als 100 Individuen berichtet.
Jungvogel auf der Königshovener Höhe
Bienenfresser weisen eine sehr schöne, exotische Färbung auf. Der Bauch leuchtet hellblau, die Oberseite des Kopfes, Rücken und Flügel sind rostbraun, die Kehle hellgelb. In schwalbenartigem Flug mit längeren Segelphasen wird im Flug nach Nahrung gejagt.
Bei einer Größe von 28 cm wiegt der Bienenfresser etwa 60 g. Das mittlere Steuerfederpaar überragt den 10 cm langen Schwanz um 2-3 cm. Diese "Schwanzspieße" fehlen Jungvögeln. Der etwas abwärts gebogene Schnabel wird bis 4 cm lang. Die Weibchen unterscheiden sich kaum von den Männchen, sie sind lediglich etwas kleiner und weniger scharf gezeichnet.
Pärchen auf der Königshovener Höhe
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Nordafrika und Südwest-Europa bis nach Nord-Indien und Teile von China, die Vögel lieben sonnige und offene Landschaften mit sandigen oder lehmigen Böden.
Bienenfresser ernähren sich ausschließlich von mittelgroßen bis großen Fluginsekten. Der Name Bienenfresser bezieht sich darauf, daß sie auch gerne stechende Insekten fangen, die durch kräftiges Schlagen auf die Ansitzäste "entstachelt" werden.


Bienenfresser mit Beute: Honigbiene, Hummel, Wespe
Auch Libellen gehören zu ihren Beutetieren, dies untermauert ihre äußerst wendigen Flugeigenschaften.
Bienenfressertrupp im Sommer 2012 mit erbeuteter Großlibelle
Bekannt ist diese Verhaltensweise zum Töten der Beutetiere z.B. vom Eisvogel, mit dem der Bienenfresser verwandt ist (Alcediniformes = Alcedinidae und Meropidae, zu den letzteren gehört der Bienenfresser). Genau wie der Eisvogel produziert auch der Bienenfresser Speiballen von unverdaulichen Beutebestandteilen, die wieder ausgewürgt werden.
Gebrütet wird meist in kleinen Kolonien. Die Brutplätze werden (ähnlich der Uferschwalbe und dem Eisvogel) an Steilufern, Prallhängen und anderen Abbruchkanten, in Lehm- und Sandwänden gewählt, wo sie sich bis 2 Meter lange Brutröhren graben.
Deutliche Kratzspuren am Eingang zeugen von einer bebrüteten Röhre des Bienenfressers
Am Ende der Röhre befindet sich eine kleine Brutkammer. Beide Eltern bebrüten die 5-8 fast kugelrunden Eier etwa 3 Wochen lang (in Südeuropa Mitte Mai bis Anfang Juni). Die anfangs nackten und blinden Jungen werden bis zum Flüggewerden im Alter von 30 Tagen und auch noch danach von beiden Altvögeln gefüttert, bis sie selbständig ihrer Beute nachjagen können. Gelegentlich wird auch über „Bruthelfer“ in Form eines zusätzlich fütternden Altvogels, ggf. eines vorjährigen Jungvogels, berichtet.
Unter den genutzten Brutröhren findet man häufig die Reste verlorener Nahrung, hier in Form von Hummeln, Solitärbienen und auch wie auf dem Foto oben rechts eines Schwalbenschwanzes.
Als Langstreckenzieher überwintern Bienenfresser in Ostafrika unter Aussparung der Regenwaldgebiete bis nach Südafrika hinein. Daneben gibt es Quartiere in den Feucht- und Trockensavannen Westafrikas.
Bereits seit dem Jahre 2000 wurde über Bienenfresserbruten aus dem Braunkohletagebau berichtet. Seit spätestens 2010 existierten offensichtlich mehrere Kleinkolonien in der Rekultivierung und im Tagebau.
Leider sind die Brutplätze ständig latent durch den fortschreitenden Tagebau, die (landwirtschaftliche) Rekultivierung oder auch unzulässige Freizeitnutzungen wie z.B. Motocross-Fahren gefährdet.
Motocross-Fahrer im Brutgebiet auf der Königshovener Höhe



