Amphibienarten in Grevenbroich

Das Stadtgebiet von Grevenbroich war historisch geprägt von hohem Grundwasserstand und regelmäßigem Hochwasser in der Erftniederung. Dadurch bedingt ergaben sich ausgedehnte und großflächig zusammenhängende Lebensräume für Amphibien.

Durch Entwässerungsmaßnahmen in der Aue und mit Beginn der Braunkohletagebaue in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde das Grundwasser abgesenkt, so dass alle grundwasserabhängigen Feuchtgebiete flächendeckend im Stadtgebiet verschwanden mit teilweise vernichtender Wirkung auf die Amphibienbestände.

Ab etwa Mitte der siebziger Jahre wurden erhebliche Bemühungen unternommen, aus der auf beständigem Hochwasserniveau gehaltenen Erft Wasser zu entnehmen und ehemalige Entwässerungsgräben zur Wiederbewässerung der Landschaft zu nutzen.

Darüber hinaus wurden Regenrückhaltebecken nicht mehr nach rein technischen Gesichtspunkten angelegt und gestaltet, so dass auch diese ökologische Nischen für Amphibien eröffneten.

Auch Kiesabgrabungen und Kleintagebaue wurden nicht mehr ausschließlich rekultiviert, indem man diese verfüllte, vielmehr wurde durch kontrollierte Gestaltung und Offenhaltung der Gruben mit anschließender Bewässerung neue Lebensräume erschlossen.

Auch industrielle Anlagen zur Wasserhaltung und Vorklärung von Abwasser wurden von weniger anspruchsvollen Arten besiedelt, so daß sich mit der Zeit wieder nennenswerte Amphibienbestände aufbauten.

Leider gibt es keine verlässlichen schriftlichen Daten oder Erhebungen aus der Vergangenheit. Auch Archivmaterial zu heimischen Amphibien in Grevenbroich ist nicht bekannt, lediglich mündliche Berichte älterer Mitbürger sprechen von ehemals großen Laubfroschbeständen im Neuenhausener und Gustorfer Bend und „blauen Fröschen“ (vermutlich Moorfrösche in der Laichzeit) im Umfeld von Wevelinghoven und Gustorf. Mit der folgenden Zusammenfassung soll erstmals ein schriftlicher Überblick über diese Gattung erstellt werden.

Potenzielle Amphibienvorkommen in Grevenbroich

Das Gebiet der Stadt Grevenbroich ist als Flußniederungsgebiet zu charakterisieren, so daß Amphibienarten des Berg- oder Hügellandes wie z.B. Geburtshelferkröte, Feuersalamander, Berg- oder Fadenmolch mit ihrer Vorliebe für Gewässer im Quellbereich oder Steinbruchtümpel hier nicht zu erwarten sind.

Zu den von der Lebensraumstruktur her zu erwartenden Arten in Grevenbroich können daher folgende gezählt werden:

- Teichmolch

- Kammmolch

- Moorfrosch

- Springfrosch

- Grasfrosch

- Grünfroschkomplex

- Laubfrosch

- Erdkröte

- Knoblauchkröte

- Kreuzkröte

- Wechselkröte

- Gelbbauchunke.

In konkreten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, daß von 17 in NRW heimischen Amphibienarten 12 Arten lokal in Grevenbroich potenziell vorkommen könnten.

Wie in der gesamten belebten Umwelt gibt es auch unter den Amphibien sogenannte Generalisten, die in einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume vorkommen können und gegenüber negativen Umwelteinflüssen relativ tolerant sind, und Spezialisten, die nur bei bestimmten vorliegenden Standortfaktoren vorkommen und bereits bei geringen Veränderungen im Bestand rückläufig sind oder verschwinden.

Zu den Generalisten zählen Erdkröte, Grasfrosch und Teichmolch.

Etwas höhere Ansprüche an die Lebensräume stellt der Grünfroschkomplex mit Seefrosch und kleinem Teichfrosch sowie dem Wasserfrosch als Bastardform der erstgenannten Arten.

Verunreinigungen tolerieren diese nur bedingt, darüber hinaus benötigen sie einen intakten Wasserpflanzenbestand und besonnte Gewässer.

Zu den bereits etwas anspruchsvolleren Arten sind auch  Kammmolch und Springfrosch zu zählen.

Der Kammmolch liebt vegetationsreiche Gewässer (z.B. Altarme), die auch etwas größere Wassertiefen aufweisen sollten und halbschattig gelegen sein können.

Der Springfrosch benötigt mindestens teilweise besonnte, offene Wasserflächen und vertikale Pflanzenstrukturen zum Anheften der Laichballen. Mindestwassertiefen sind hier 20 – 30 cm.

Zu den Spezialisten zählen Moorfrosch, Laubfrosch, Knoblauchkröte, Wechselkröte, Kreuzkröte und Gelbbauchunke.

Der Moorfrosch kann nur in nährstoffarmen Gewässern der Hochmoore oder auch unrekultivierten Sandabgrabungen, die ebenfalls nährstoffarm, aber vegetationsbestanden im Flachwasserbereich sein sollten, überleben.

Der Laubfrosch benötigt absolut sonnige, warme Gewässer mit Schilfzonen und sonnigem Gebüschgürtel im Randbereich als Jahreslebensraum und Laichgebiet.

Die Knoblauchkröte bevorzugt offene Biotope, die auch in land- oder weidewirtschaftlich genutztem Gelände liegen können. Von grundlegender Bedeutung für diese Art ist die Bodenbeschaffenheit, da lockere, sandige Böden benötigt werden, wo die erwachsenen Tiere ihre unterirdischen Wohnlöcher graben können.

Wechsel- und Kreuzkröte sind durch ihre Abhängigkeit von offenem Gelände, wie z.B. Sand-, Kies-, Ton- oder auch Braunkohlegruben, mit vegetationsarmen weil nährstoffarmen Böden charakterisiert. Als Laichgewässer werden flache, vegetationsfreie und meist temporäre Laichgewässer benötigt.

Ähnliche Lebensbedingungen braucht auch die Gelbbauchunke, die absolut offene, besonnte und vegetationslose Klein- und Kleinstgewässer bis hin zur wassergefüllten Traktor- oder Baggerspur benötigt.

Aktuelle Amphibienvorkommen in Grevenbroich

Bestandsaufnahmen mit einer hinreichenden Gewährleistung einer genauen Beurteilung der Bestände gestalten sich je nach zu untersuchender Art als recht schwierig, da

-die Amphibien je nach Art im Jahresverlauf unterschiedliche Lebensräume besiedeln,

-viele Arten nachtaktiv und als erwachsene Tiere schwer zu finden sind,

-die Ähnlichkeit vor allem junger Larven eine eindeutige Zuordnung zu den Arten erschwert,

-einige Arten temporäre Kleinstgewässer bevorzugen, die teilweise nur wenige Wochen im Jahr bestehen und im nächsten Jahr an ganz anderer Stelle neu entstehen.

Es sind daher je nach zu untersuchender Art unterschiedliche Erhebungsmethoden, auch in Kombination untereinander, anzuwenden, wie z.B.

Erhebung der Laichwanderung durch Zäune, Feststellung erwachsener Tiere, Laichbestimmung,

Larvenbestimmung, Rufbestimmung/Verhören in der Laichzeit.

Zu den mit diesen Methoden festgestellten Arten zählen:

Die Erdkröte

Diese Amphibienart zählt zu den oben bereits erwähnten Generalisten und zeigt ein nahezu geschlossenes Verbreitungsbild über das gesamte Stadtgebiet. Durch ihre (außerhalb der Laichzeit in den Monaten März/April gezeigte) Unabhängigkeit vom Wasser findet man die Erdkröte in nahezu allen Waldgebieten, Wiesenflächen mit Gebüschen und auch Hausgärten.

tl_files/Amphibien in GV/Wanderung.jpgErdkrötenpaare bei der Laichwanderung

Hinsichtlich ihrer Laichplätze ist sie trotz einer vorhandenen Laichplatzbindung – der größte Teil der laichwilligen Tiere kehrt zum eigenen Geburtsgewässer zurück – relativ unabhängig und besiedelt im Frühjahr zum Ablaichen eine Vielzahl von Gartenteichen und andere künstliche Gewässer, wie z.B. die anläßlich der Landesgartenschau angelegten Teiche im Stadtpark, im Kamper Wald und im Braunkohlewald Stadtmitte.

Die vorhandenen Daten und Fundortangaben sind recht vollständig, da die Tiere durch die konzentrierte Laichwanderung - auch wenn diese nachts stattfindet - und ihr tagaktives Paarungsverhalten kaum übersehen werden können.

Darüber hinaus ist auch der Laich in Form der meterlangen Schnüre gut sichtbar.

tl_files/Amphibien in GV/Laich.jpgLaichschnüre der Erdkröte

tl_files/Amphibien in GV/Erkroete Schwarmverhalten.jpgSchutz in der Masse: Schwarmverhalten von Erdkrötenquappen

Zu den natürlichen bzw. naturnah angelegten Freigewässern, die als Laichplatz genutzt werden, zählen:

Gewässerkomplex Golfclub Erftaue, Regenrückhaltebecken Neurath, Bio-Teiche Neurath, Neurather See, Teiche Deponie Welchenberg, Erftaltarme Gustorf und Neuenhausen, Neuenhausener Graben, Regenrückhaltebecken Erftwerksweg, Tackelgraben, Dohmer Loch ( Erft bei Wevelinghoven ) Beester Kampgraben, ehemalige Klärteiche Pfeifer und Langen, Erftaltarme Kapellen im Umfeld der Schwarzen Brücke, Klosterteiche Langwaden, Hülchrather Teiche.

Die Art wird für das Stadtgebiet derzeit als ungefährdet angesehen.

Bei dieser Einschätzung ist allerdings folgendes zu berücksichtigen:

Die größten Laichgesellschaften der Erdkröte liegen im Bereich Neurath, am Neuenhausener Graben und an den ehemaligen Klärteichen der Zuckerfabrik Pfeifer und Langen. Da diese Gewässer alle von stark frequentierten Straßen umgeben sind, sind die Verluste durch den Straßenverkehr bei der Abwanderung der Jungtiere aus dem Gewässer sehr hoch. Darüber hinaus sind Sicherungsmaßnahmen der Laichwanderung in Neurath durch Gewässer- und Straßenlage sowie die Topographie nur bedingt möglich.

Der Hauptzeitraum zur Laichwanderung der Alttiere wird durch mobile Amphibienschutzzäune an der K 10 ( Klärteiche) und der L361 (Neuenhausener Graben) seit Ende der siebziger Jahre mit hohem Personal- und Sachaufwand gesichert.

tl_files/Amphibien in GV/Ziviszaun.jpgBau des Amphibienzaunes an der K 10 zwischen Noithausen und Wevelinghoven

Erst seit dem Frühjahr 2001 ist die L 361 untertunnelt und mit Leiteinrichtungen versehen. Ebenfalls mit Tunneln und Leiteinrichtungen versehen ist die L 142 am Ortsausgang Langwaden. Zusätzlich wird der Tribünenweg zwischen Hemmerdener Weg und K 10 sowie die Brückenstr. in der Hauptwanderphase während der Nachtstunden für Fahrzeuge aller Art gesperrt.  Ohne diese Maßnahmen wären die dortigen großen Laichgesellschaften nicht überlebensfähig. Trotz dieser sehr aufwändigen Arbeiten sind jedoch gravierende Verluste bei den Laichtieren nicht zu vermeiden. Die Amphibien erkennen die Straße nicht als gefährliches Wanderhindernis, sondern sehen sie als Teil ihres Lebensraumes, wo bereits ein Teil ihres Balzverhaltens stattfindet. Eine Vielzahl an Untersuchungen belegt für die Erdkröte, daß diese während der Paarungszeit ebene Geländestrukturen aufsuchen, die sie überblicken können, um bereits bei der Wanderung auf paarungswilligen Weibchen aufzusitzen. Es konnte beobachtet werden, dass sich die Männchen von der Abenddämmerung bis in die Morgenstunden auf Straßen und Wegen in Gewässernähe in unnatürlich aufrechter Sitzposition aufhalten, vermutlich um vorbeiwandernde weibliche Tiere zu entdecken. Dadurch entstehen in vielen Fällen auch bei geringem Fahrzeug- oder Fahrradverkehr hohe Tierverluste.

Weiterhin ist auch belegt, dass Amphibien keinen klassischen Winterschlaf halten, sondern bei Vorliegen bestimmter Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen mit der Laichwanderung und dem Paarungsverhalten beginnen ( so z.B. am 07.01.2000 beobachtet bei Erdkröte und Grasfröschen ) und dies bei Witterungseinbrüchen unterbrechen, so daß durch den Aufbau von Amphibienzäunen immer erst zeitversetzt auf die Wanderungsaktivitäten reagiert werden kann.

Im Umfeld der Neurather Laichgewässer ist eine Sicherung der Laichwanderung , bedingt durch die Größe des Zuwanderungsgebietes der Amphibien, nicht möglich. Gefahrenpunkte für die Amphibienwanderung ergeben sich hier vor allem an den Zufahrtstraßen zur Frimmersdorfer Höhe, der K 39 zwischen Martinswerk und nördlicher Zufahrt zur Halde und der Verlängerung Güratherstr.

tl_files/Amphibien in GV/Gefahrenpunkte Strassen.jpgKonfliktbereiche des Straßenverkehrs mit Amphibienwanderungen

Im Laichverhalten der Erdkröte kann man oft Kuriositäten beobachten, die wahrscheinlich durch ein ungünstiges  Geschlechterverhältnis mit einem hohen Männchenüberhang hervorgerufen werden. Viele Männchen kommen dadurch nicht zur Paarung, so dass es neben regelrechten Überfällen von mehreren Männchen auf ein Weibchen zu einem Verhalten kommt, bei dem alle auch nur entfernt den Formen eines Weibchens ähnlich sehenden Gegenstände im Wasser begattet werden.

tl_files/Amphibien in GV/Erdkrueberfall.jpg"Paarungsüberfall", nicht selten ertrinken dabei die Weibchen

tl_files/Amphibien in GV/Erdkroete Tennisball.jpgPaarung mit Tennisball

tl_files/Amphibien in GV/erdkrirrtum.jpgPaarung mit einem Holzstück: über 20 Männchen waren beteiligt

tl_files/Amphibien in GV/Erdkrklammertfinger.jpgAuch menschliche Finger werden zweckentfremdet und kräftig umklammert.

Die Kreuzkröte

Zu den natürlichen Lebensräumen der Kreuzkröte gehören vor allem sandig-kiesige Überschwemmungsgebiete in den Flussniederungen und Brachflächen im besonnten Gelände. Diese offenen, in der Regel vegetationsarmen Lebensräume sind in Grevenbroich weitestgehend „wegrekultiviert“, aufgeforstet oder anderweitiger Nutzung übereignet worden.

tl_files/Amphibien in GV/Kreuzkroete.jpgKreuzkröte, Jungtier in einer wasserführenden Treckerspur

Die Anforderungen der Kreuzkröte an Lebens- und Laichräume sind durch sonnenexponierte Lage, Vegetationsarmut und lockere Böden zu charakterisieren. Hier leben die Tiere in selbstgegrabenen Höhlen oder auch Mauselöchern. Sie nutzen kleine bis kleinste, meist temporäre Gewässer, wie z.B. wassergefüllte Wagenspuren und Pfützen ohne Wasservegetation als Laichgewässer.

tl_files/Amphibien in GV/KreuzkrLaich.jpgKreuzkrötenlaich in einer Pfütze

Ausgedehnte Kreuzkrötenbiotope lagen im Wesentlichen in den Tagebaugebieten, den Abraumhalden, Kiesabgrabungen und auf Brachflächen im Industriegebiet Ost.

Diese sind jedoch mit der Weiterwanderung des Tagebaues, der Rekultivierung aber auch natürlicher Sukzession auf den nährstoffreichen Lößböden verloren gegangen bzw. auf kleine Areale zusammengeschrumpft.

Restvorkommen dieser Art liegen derzeit im Elsbachtal, auf der Gustorfer Höhe, an den Deponie-Teichen Vollrather Höhe, am Neurather See und westlich der Frimmersdorfer Höhe an der Baggerüberfahrt der Fa. RWE.

Für den Bereich des Elsbachtales ist ein mittelfristiges Erhalten der Bestände nur dadurch zu erreichen, dass

- der lichte Charakter von mit Gebüschen durchsetztem Grünland und Brachflächen erhalten bleibt und

- in den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen eine Befestigung der Wirtschaftswege unterbleibt, so daß die schweren landwirtschaftlichen Fahrzeuge auch weiterhin verdichtete Spuren hinterlassen, die nach Regenfällen als Laichplatz genutzt werden können.

Auf Grund der nachtaktiven und sehr versteckten Lebensweise ist ein Feststellen dieser Art außerhalb der Laichzeit schwierig.

Während der Laichzeit von Mai bis Juli sind die Tiere wegen ihrer lauten Rufe jedoch leicht auszumachen. Da die als Laichplatz genutzten Pfützenbiotope in der Regel zufällig entstehen, ist ein Auffinden der Laich“gewässer“ oft schwierig.

Es besteht bei den Kreuzkröten keine Prägung auf einen bestimmten Laichplatz, so daß die Einschätzung der Vermehrungsraten bei dieser Art schwierig und wegen der hohen Austrocknungswahrscheinlichkeit maßgeblich von Zufällen bestimmt wird.

tl_files/Amphibien in GV/Kreuzkrvertrocknet.jpgVertrocknete Kreuzkrötenquappen in einer Wagenspur

Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Kaulquappen ist direkt temperaturabhängig, weshalb trotzdem für sie auch in kleinen, recht schnell austrocknenden Gewässern eine hohe Metamorphosewahrscheinlichkeit besteht. Mit einer Entwicklungsdauer von etwa 28 Tagen vom Ei über die Kaulquappe zur Jungkröte sind sie an diese Gewässer hervorragend angepaßt. Als weitere Überlebensstrategien sind hier die geringere Eizahl je Laichschnur ( und damit ein besseres Verteilen des Laiches auf mehrere Pfützen bei geringer Feinddichte ) und ein hoher Dottervorrat als Nährstoffdepot zur Entwicklung in nährstoffarmen Gewässern zu nennen.

Da die Kreuzkröte in Grevenbroich nur an 4 Standorten vorkommt, ist sie als im Bestand stark gefährdet anzusehen.

Die Wechselkröte

Das Vorkommen der Wechselkröte in Grevenbroich wurde durch die Fachbehörden für Naturschutz lange Zeit bestritten. Als absolute Nordgrenze ihrer Verbreitung wurde Köln angegeben.

tl_files/Amphibien in GV/Wechselkroete.jpgWechselkröte - Jungtier auf der Königshovener Höhe

Der Nachweis dieser Art wurde jedoch bereits Ende der siebziger Jahre in einer Vielzahl von Kleingewässern im Umfeld des Tagbaues und noch jungen Rekultivierungsgebieten getätigt. Sie kam im Umfeld der Vollrather Höhe, der Frimmersdorfer Höhe und der Gustorfer Höhe, meist in Gesellschaft der ähnliche Lebensräume bevorzugenden Kreuzkröte vor. Es ist davon auszugehen, dass diese sehr migrationsfähige Art (die außerhalb der Laichzeit auch recht wasserunabhängig ist) über Kiesgruben in der Rheinschiene und die Braunkohletagebaue im Kölner Raum nach hier vorgedrungen ist.

Als Laichbiotop bevorzugt diese Art jedoch tiefere (bis 80 cm) Gewässer als die Kreuzkröte. Dies ließ sich auch dadurch belegen, daß die Wechselkröte vornehmlich in Regenrückhaltebecken der Rekultivierungsgebiete ablaichte. Die Bestände sind jedoch im Umfeld der Vollrather Höhe, Frimmersdorfer Höhe und auf der Gustorfer Höhe durch Verbuschung und damit einhergehender Beschattung der Gewässer vollständig erloschen.

Die letzten kleinen Vorkommen dieser Art wurden zwischen 1998 und 2010 im Elsbachtal und der Königshovener Höhe, bis 2000 am Neurather See, den ehemaligen Klärteichen Pfeifer & Langen und bis 2006 an der Baggertrasse über die Erft an der Frimmersdorfer Höhe festgestellt.

Die Wechselkröte ist derzeit in Grevenbroich akut vom Aussterben bedroht.

Der Grasfrosch

tl_files/Amphibien in GV/Grasfrosch Winter.jpgGrasfrosch nach dem Winterschlaf

Der Grasfrosch laicht meist zeitgleich mit der Erdkröte, taucht in langen Wintern aber auch bereits an noch zugefrorenen Gewässern auf. Das Verbreitungsgebiet in Grevenbroich deckt sich im Wesentlichen mit dem der Erdkröte, da beide sowohl offenes, teiloffenes oder bewaldetes Gebiet besiedeln und auch mehrere Kilometer vom nächsten Gewässer entfernt liegende Sommerlebensräume aufsuchen können.

Der Grasfrosch zeigt eine ähnliche Laichplatzbindung wie die Erdkröte.

tl_files/Amphibien in GV/Grasfroschpaar.jpgGrasfrösche beim Laichen

Er ist während der Laichzeit von Ende Februar bis Ende März regelmäßig in folgenden Gewässern anzutreffen:

Bio-Teiche Neurath, Himmelsteich südlich der BAB 540 (s. Foto unten) (seit 2002 trockengefallen) Tackelgraben, Neuenhausener Graben, Regenrückhaltebecken südöstliche Berme der Vollrather Höhe, ehemalige Klärteiche Pfeifer und Langen, Alterftarme Schwarze Brücke Kapellen.

Darüber hinaus liegen eine Vielzahl von Mitteilungen aus Gartenteichen in Hausgärten vor, wo sich kleinere Laichgesellschaften einfinden.

Auch unverpaarte Grasfroschmännchen zeigen ähnlich der Erdkröte bei hormonellem Überschuss kuriose Paarungshandlungen, wie die Situation mit dem Koi-Karpfen nachdrücklich belegt:

tl_files/Amphibien in GV/Grasfrosch Koi.jpg

Die vorhandenen Daten und Fundortangaben sind für das Stadtgebiet vollständig, da die Tiere tagaktiv sind, gut gehört werden können und mit ihren recht großen Laichballen nicht übersehen werden.

Im Gegensatz zur Erdkröte handelt es sich bei den Laichgesellschaften in Freigewässern regelmäßig um Individuenzahlen kleiner als 50 Tiere, lediglich das Gewässer auf der Vollrather Höhe wurde in 2000 von etwa 90 Tieren als Laichplatz genutzt.

Auf Grund der Sensibilität dieser recht kleinen Einzelpopulationen kann eine potenzielle Gefährdung der Art in einzelnen Laichräumen nicht ausgeschlossen werden.

Auf das gesamte Stadtgebiet bezogen liegt eine Gefährdung derzeit aber nicht vor.

Der Grünfroschkomplex

Der mitteleuropäische „Grünfroschkomplex“ umfasst den Seefrosch, den kleinen Teichfrosch und den Wasserfrosch, wobei es sich bei den erstgenannten um echte Arten und beim Wasserfrosch um eine Kreuzung aus beiden handelt. Eine klare Unterscheidung ist sehr schwierig, vor allem bei der Abgrenzung kleiner Teichfrosch/Wasserfrosch. Auf konkrete Artbestimmungen wird daher hier verzichtet.

tl_files/Amphibien in GV/Gruenfrosch.jpgGrünfrosch

Die tagaktiven Grünfrösche leben eng an aquatische Lebensräume gebunden und benötigen sonnenexponierte Ufer. Sie besiedeln sowohl stehende als auch langsam fließende Gewässer als Jahreslebensraum und Laichgewässer. In der Erft ist ein recht hohes Grünfroschvorkommen festzustellen, Laich- bzw. Larvennachweise sind jedoch erst seit 2001 für Stillwasserbereiche mit reichhaltiger Wasservegetation gelungen.

Die Fundortangaben für das Stadtgebiet sind vollständig, da diese Art durch ihre sehr lauten Rufe leicht zu lokalisieren ist. Die Fundorte sind nicht unbedingt mit den Laichgewässern gleichzusetzen, da die kleinen 5 bis 8 cm durchmessenden Laichballen mit gelben Eiern leicht übersehen werden können.

tl_files/Amphibien in GV/Grfroschlaich.jpgLaichballen des Grünfrosches

Auch leben die Larven der Grünfrösche deutlich versteckter als beispielsweise Erdkröten- oder Grasfroschquappen und zeigen im Gegensatz zur Erdkrötenlarve auch kein Schwarmverhalten, so daß deren Nachweis vor allem in tieferen oder stark verkrauteten Gewässern oft schwierig ist.

tl_files/Amphibien in GV/Gruenfroschquappe.jpgSchnell wie kleine Fische: Grünfroschquappen

Nachgewiesene Laichgewässer in der freien Landschaft sind: Erft (seit 2001), Bio-Teiche Neurath, Neurather See, Neuenhausener Graben, Erftaltarme Kapellen im Umfeld der Schwarzen Brücke, Klärteiche Pfeifer und Langen, Altteiche Pfeifer & Langen,

Lebensräume ohne Vermehrungsnachweis sind: Wevelinghovener Entwässerungsgraben, Tackelgraben, Beester Kampgraben

Auch Grünfrösche zählen zu den häufigen Besiedlern von Gartenteichen, wobei festzustellen ist, daß ein Großteil auf Besatz der Teiche mit widerrechtlich der Natur entnommenen Exemplaren zurückzuführen ist. Lediglich Gewässer in der Nähe der Erftniederung werden spontan von dieser Art besiedelt.

tl_files/Amphibien in GV/schwingungen_dsc8167_102.jpgDer lautstarke Ruf bringt das Wasser zum Schwingen

Teilweise ergeben sich erhebliche Nachbarschaftsprobleme bei Gartenteichbesitzern wegen der lauten Paarungsrufe der Tiere vor allem während der Abend- und Nachtstunden.

Da die Art in den letzten Jahren –entgegen landesweiter Entwicklungstrends- in Grevenbroich eher in Ausbreitung begriffen ist, liegt eine Gefährdung derzeit nicht vor.

Der Kammmolch

Über die Lebensraumansprüche des Kammmolches werden in der Literatur unterschiedliche Angaben gemacht. In Grevenbroich sind bislang 2 Nachweise dieser Art gelungen, wobei beide Gewässer halbschattig gelegen sind und eine gut ausgeprägte Unterwasservegetation mit Wassertiefen bis zu 1 m aufweisen.

tl_files/Amphibien in GV/Kammmolch.jpgEinjähriger Kammmolch im Gelände des Umweltzentrums

Regelmäßig nachgewiesen wird der Kammmolch bei der Laichwanderung an der L 361 -Ortsumgehung Neuenhausen- mit in der Regel weniger als 10 erwachsenen Exemplaren. Wegen der Größe des Bendgebietes im Umfeld des Neuenhausener Grabens, der als Laichgewässer genutzt wird, ist hieraus aber keine Aussage über die dortige Populationsgröße zu treffen, da von dort mit Sicherheit weitere Exemplare zuwandern. Obwohl der Laichnachweis wegen der Abgabe einzelner Eier in die Unterwasservegetation schwierig ist, gelang dieser in 1997 und 1998 an einer überfluteten Geländesenke am „Rentnerweg“ in Neuenhausen. Durch die fast doppelt so großen Eier in Relation zu den anderen Molcharten, die zudem gelb gefärbt sind, ist eine Verwechslung mit dem Laich anderer Molche auszuschließen. Im Frühjahr 2000 wurden Larven des Kammmolches ebenfalls im Neuenhausener Graben, jedoch etwa 2 km abwärts, nördlich der Kölner Bahnlinie bei uns am Umweltzentrum eindeutig bestimmt.

Es ist jedoch unklar, ob hier ebenfalls laichende Alttiere leben, oder ob es sich um verdriftete Larven aus dem Neuenhausener Raum handelte.

Der Fund zweier erwachsener Kammmolche im Landstadium liegt aus dem Jahr 1997 aus dem Bereich Schwarze Brücke in Kapellen vor.

Diese wurden von Kindern unter Wurzeln linksseitig der Erft gefunden und von hier eindeutig als Kammolche bestimmt.

Ein weiterer Fund stammt aus dem September 2002, wiederum ein Kind brachte ein 1-jähriges Jungtier im Landstadium mit, das nordwestlich von Elsen gefunden wurde.

Da dort kein geeigneter Lebensraum vorhanden ist, gehen wir davon aus, dass das Jungtier einem Gartenteich entstammt.

Auf Grund der wahrscheinlich kleinen Laichgesellschaften an lediglich 2 Stellen im Stadtgebiet ist diese Art in Grevenbroich vom Aussterben bedroht.

Der Teichmolch

tl_files/Amphibien in GV/Teichmolchmann.jpgTeichmolchmännchen im "Hochzeitskleid"

Auch diese Art zeigt eine nahezu flächendeckende Verbreitung im Stadtgebiet, da keine besonderen Laichplatz- oder Lebensraumansprüche gestellt werden. Er laicht in nahezu allen Gewässern, ob es sich hierbei um wassergefüllte Wagenspuren, Regenrückhaltebecken, langsamfließende Gräben, Altarme oder auch Gartenteiche handelt.

tl_files/Amphibien in GV/Eiabl.jpgBevorzugt werden die Eier in mit den Hinterbeinen gefaltete Blatttaschen der Unterwasservegetation geklebt.

Wegen ihrer versteckten, nachtaktiven Lebensweise während des Landstadiums außerhalb der Laichzeit und der geringen Größe der Tiere ist der Nachweis dieser Art schwieriger, als bei den vorgenannten Erdkröten oder Grasfröschen. Am sichersten gelingt der Nachweis von Teichmolchen in den Fangeimern der Amphibienschutzzäune, jedoch sind sie auch unter Baumwurzeln, Steinen oder in Laubhaufen zu finden. Da der Laich mit einzelnen Eiern an Wasserpflanzen, Algen oder Moos im Wasser angeheftet wird, ist der Nachweis über den Laich schwierig zu führen.

tl_files/Amphibien in GV/Molchlaich IMG_1837.jpgEinzelnes Molchei in der Unterwasservegetation

Konkrete Teichmolchnachweise liegen für folgende Gewässer vor:

Regenrückhaltebecken Neurath, Bio-Teiche Neurath, Neurather See, Trienekens-Teiche Welchenberg, Erftseitengewässer Im Stump Gustorf, Neuenhausener Graben, Regenrückhaltebecken Erftwerksweg, Tackelgraben, Dohmer Loch ( Erft bei Wevelinghoven ) Beester Kampgraben, ehemalige Klärteiche Pfeifer und Langen, Erftaltarme Kapellen im Umfeld der Schwarzen Brücke, Klosterteiche Langwaden, Hülchrather Teiche.

Eine Gefährdung dieser Art liegt im Stadtgebiet derzeit nicht vor.

Der Bergmolch

Der Bergmolch ist lt. Literatur ein typischer Bewohner von gewässerreichen Wäldern in hügeligen bis bergigen Landschaften, insofern stellt er natürlich nicht den klassischen Bewohner der Grevenbroicher Erftniederung dar. Dennoch ist die Art auch am Niederrhein recht weit verbreitet und kommt auch in Grevenbroich vor, jedoch ohne ein homogen erkennbares Verbreitungsbild erkennen zu lassen.

tl_files/Amphibien in GV/Bergmolchmann.jpgBergmolchmännchen in Paarungsfärbung

Es sind sowohl Fundorte in naturnahen Gartenteichen bekannt, wie auch eine Besiedelung von Feuerlöschteichen und Regenrückhaltebecken festgestellt wurde. Im Gelände des Umweltzentrums am Schneckenhaus ist der Bergmolch vor dem Teichmolch die häufigste Molchart.

tl_files/Amphibien in GV/Bergmolchweib.jpgBergmolchweibchen

Er scheint mehr als die anderen Molcharten auf fischfreie Gewässer fixiert zu sein.

Die Arten Springfrosch, Moorfrosch, Laubfrosch, Knoblauchkröte, Gelbbauchunke und Fadenmolch kommen derzeit in Grevenbroicher Freigewässern nicht oder nicht mehr vor bzw. wurden nicht nachgewiesen.

Obwohl die Lebensräume für den Springfrosch vorhanden und auch Vorkommen z.B. im Rhein-Erft-Kreis (Bergheim) und auch aus dem Dormagener Stadtgebiet bekannt sind, wurde diese Art in Grevenbroich bislang nicht nachgewiesen. Dies kann in der Verwechslungsmöglichkeit mit dem sehr ähnlich aussehenden Grasfrosch begründet sein.Für wahrscheinlicher wird jedoch gehalten, daß die hohe Verbreitungsdichte des Grasfrosches und die Lebensraumkonkurrenz dieser Art eine Besiedelung des Stadtgebietes mit dem Springfrosch bislang verhindert hat. Zudem fehlen bislang auch Biotopverbundsysteme die eine hinreichende Möglichkeit zur Zuwanderung dieser Art z.B. aus dem Bergheimer Raum eröffnen.

tl_files/Amphibien in GV/Springfrosch.jpg"Messen" der Beinlänge des Springfrosches

Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal des Springfrosches im Vergleich zu Grasfrosch und Moorfrosch ist die Beinlänge. Die Hinterbeine sind bei dieser Art besonders lang ausgebildet, das Fersengelenk überragt bei nach vorne an den Körper angelegtem Bein die Nasenspitze deutlich.

Für den Moorfrosch sind die Lebensraumvoraussetzungen in Grevenbroich nicht mehr vorhanden. Diese Art kam nach mehreren voneinander unabhängigen mündlichen Mitteilungen bis etwa Mitte der sechziger Jahre noch vor. Es wurde mehrfach von „blauen Fröschen“ aus dem Gustorfer und Neuenhausener Bend gesprochen, die nach der Beschreibung mit Sicherheit männliche Moorfrösche in der typischen blauen Laichfärbung waren. Auf das Vorhandensein von Mooren weisen auch Archivunterlagen und Straßennamen, wie z.B. der Torfstecher Weg in Gustorf, hin. Mir der Veränderung der Gewässer hin zu einem hohen Nährstoffreichtum bei gleichzeitigem Verschwinden der grundwasserabhängigen Moore ist der Moorfrosch dann vermutlich Ende der sechziger Jahre ausgestorben. In 2001 wurde durch einen Spaziergänger von „blauen Fröschen“ in einem Kleingewässer im Gustorfer Bend berichtet, diese Angaben waren leider nicht zu bestätigen.

Auch auf das Vorhandensein von Laubfröschen lassen heute nur noch Berichte älterer Naturliebhaber schließen. Diese berichten von lautstarken „Froschkonzerten“ grüner Frösche in der gesamten Erftniederung, wobei diese Berichte aber auch Grünfröschen zuzuordnen sein könnten. Lediglich aus den Hülchrather Teichen ist ein Laubfroschvorkommen Ende der siebziger Jahre auch von hier festgestellt worden, wobei die Standorte von bis zu 12 rufenden Männchen lokalisiert werden konnten. Es wurden zudem 2 Mal Kaulquappen der Laubfrösche im südöstlichen der insgesamt 4 Teiche gefunden. Unklar blieb, ob es sich hier um ausgesetzte Tiere handelte.

Nachdem die Gewässer einer fischereilichen Nutzung mit intensivem Fischbesatz, weitgehender Beseitigung der Wasservegetation und Vertiefung zugeführt wurden, erlosch der Bestand etwa ab 1985.

Lediglich ein Hinweis auf ein eventuelles Vorkommen der Knoblauchkröte ist aus dem Stadtgebiet bekannt. Durch Mitglieder eines Aquarienvereines mit Sitz in Wevelinghoven wurde in den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts von etwa 10 cm großen Kaulquappen in den alten Klärteichen der Wevelinghovener Zuckerfabrik rechtsseitig der Erft berichtet, die aber leider keiner näheren Artbestimmung unterzogen worden waren. Kaulquappen dieser Größe hat aus den Reihen der heimischen Amphibien nur die Knoblauchkröte. Da auch die übrigen Lebensraumansprüche der Knoblauchkröte im dortigen Umfeld realisiert waren, ist deren Vorkommen dort damals theoretisch möglich. Da es sich bei den Teichen um Abwasserbehandlungsanlagen handelte, die stark schwankende Wasserqualitäten aufwiesen, ist das Aussterben der Knoblauchkröte dort zu unterstellen, zumal aus den letzten 25 Jahren dort keine Exemplare dieser Art mehr festgestellt werden konnte.

Von der Gelbbauchunke sind keine Fundorte, auch nicht aus früherer Zeit, bekannt. Dies ist auch nicht verwunderlich, da sie Steinbrüche und Abgrabungen mit vegetationslosen, sonnigen Klein- und Kleinstgewässern als Lebensraum benötigen. Diese waren früher in der sumpfigen und nährstoffreichen Erftniederung nicht vorhanden. Mit dem Aufschluß der Tagebaue bzw. Offenhaltung von Auskiesungsflächen wären zwar potenzielle Lebensräume vorhanden, jedoch sind diese für die Gelbbauchunke wegen ihrer eingeschränkten Migrationsfähigkeit , im Gegensatz zu Kreuz- und Wechselkröte, nicht erreichbar.

Diskussion

Die Situation der Amphibien in Grevenbroich ist nachhaltig bestimmt von einer Vielzahl wasserwirtschaftlicher Maßnahmen und deren Zusammenwirken.

In die Zeit der Erftbegradigung und der Grundwasserabsenkung dürfte in Grevenbroich der Bestandsrückgang mit anschließendem Aussterben des Laubfrosches und des Moorfrosches einzuordnen sein.

Bestandsrückgänge aller vorhandenen Arten dürften im gesamten Zeitraum zu verzeichnen gewesen sein, dokumentiert wurden diese jedoch nicht.

Mit dem Aufschluss kleinerer Abgrabungen, Anlage von Regenrückhaltebecken, Bewässerung alter Grabenläufe bis hin zur Verbesserung der Wasserqualität in der Erft und deren Seitengewässern stabilisierte sich die Situation, zunächst jedoch zugunsten der Generalisten, die keine hohen Lebensraumansprüche stellen.

Durch die Tagebautätigkeit wurde eine Vielzahl von offenen Sekundärbiotopen geschaffen, die auch seltenen Arten Lebensräume boten. Dieser Zeitraum ist etwa zwischen den sechziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts festzumachen, als die Abraumhalden Vollrather Höhe, Pielsbusch, Frimmersdorfer Höhe und Gustorfer Höhe angeschüttet wurden. In diese Zeit fiel die weiteste Verbreitung mit den höchsten Individuendichten bei Kreuz- und Wechselkröte.

Zum Großteil verschwanden diese Lebensräume jedoch mit fortschreitender Rekultivierung wieder bzw. wurden durch aufkommendes Buschwerk und forstliche Nutzung überwachsen und beschattet oder durch landwirtschaftliche Intensivnutzung für die spezialisierten Arten unbewohnbar gemacht. In diese Lebensräume rückten die Generalisten bis zur heute erreichten Bestandsdichte nach.

Im Gegensatz zum landesweiten Trend sind die Grünfrösche in Grevenbroich in stetiger Ausbreitung begriffen. Dies liegt nach hiesiger Einschätzung zum einen an der Verbesserung der Wasserqualität, die auch bereits bei Fischbestandsuntersuchungen konstatiert werden konnte, zum anderen aber auch daran, dass die recht eng wassergebundenen Grünfrösche seit geraumer Zeit die Erft und die Erftseitengewässer zumindest als Ausbreitungsadern zum Erreichen geeigneter Laichgewässer nutzen. Mittlerweile ist auch zu beobachten, dass die Erft in strömungsruhigen Flachwasserbereichen als Laichgewässer dient.

Warum der Kammmolch lediglich in 2 Bereichen im Stadtgebiet festgestellt wurde ist eventuell dadurch zu erklären, dass die Tiere sehr versteckt und nachtaktiv in tieferen, vegetationsreichen Gewässern leben, so daß der Nachweis sich als schwierig erweist. Von der von ihm bevorzugten Biotopstruktur her wäre der Kammmolch durchaus in der Lage, sich weiter zu verbreiten, als bisher nachgewiesen.

Entsprechende Untersuchungen sollten sich in den kommenden Jahren anschließen.

Vereinzelt werden in den letzten Jahren auch Exemplare des Fadenmolches gefunden. Diese Tiere wurden jedoch nur im Landstadium außerhalb der Laichzeit festgestellt und konnten keinem Laichgewässer zugeordnet werden. Da die Fundorte ausschließlich in Ortsrandlagen zu verzeichnen waren, liegt die Vermutung nahe, daß es sich hierbei um Gartenteichflüchtlinge handelt, die widerrechtlich der Natur entnommen und im Gartenteich von privaten Hausgärten ausgesetzt wurden.

Da diese Art in Grevenbroich mit hoher Wahrscheinlichkeit natürlicherweise nicht vorkommt, wird sie hier nur nachrichtlich erwähnt.

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